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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVI. Jahrgang / 2014

Series:

Peter Heßelmann

Den Schwerpunkt dieses Bandes der Simpliciana bilden vierzehn Vorträge, die während einer Tagung mit dem Rahmenthema «Chiffrieren und Dechiffrieren in Grimmelshausens Werk und in der Literatur der Frühen Neuzeit» Mitte Juni 2014 in Gelnhausen gehalten wurden. Fünf weitere Studien ergänzen unser neues Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet wie gewohnt einige Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Kryptographie und Steganographie im Natürlichen Zauberbuch Simon Witgeests (1679): Karl de Leeuw

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KARL DE LEEUW (Amsterdam)

Kryptographie und Steganographie im Natürlichen Zauberbuch Simon Witgeests (1679)

1.Einführung

In der Vorstellungswelt des frühmodernen Publikums war der Unterschied zwischen Kryptologie und Magie nicht immer klar. In Geheimschrift abgefasste Texte konnten leicht mit ebenfalls unverständlichen. magischen Texten verwechselt werden. Nicht zuletzt konnte das Enträtseln von Geheimschriften für eine Form der Magie gehalten werden. Als der spanische König Phillip II. am Ende des 16. Jahrhunderts erfuhr, dass seine niederländischen Gegner seine abgefangenen chiffrierten Briefen tatsächlich lesen konnten, bezichtigte er sie beim Papst der Hexerei. Der Papst, der über eigene Kryptologen verfügte, reagierte nicht, aber der spanische König konnte wenigstens versuchen, in dieser Weise den guten Ruf der aufständischen niederländischen Adligen zu schädigen.1

Die ersten Verfasser von Büchern über Kryptologie spielten gern mit diesem Unterschied. In der Steganographia erklärt Johannes Trithemius (1462–1516) zum Beispiel, wie man Botschaften mit Hilfe eines Bildes des Empfängers durch Gedankenübertragung vermitteln kann. Im gleichen Werk findet sich eine Methode zur versteckten Übermittlung einer geheimen Botschaft in einem unverständlichen – auf den ersten Blick magisch gemeinten – lateinischen Text: Die Kommunikationspartner verabredeten, nur jeden zweiten Buchstaben in jedem zweiten Wort zu beachten und alle anderen außer Betracht zu lassen. In diesem Fall dient die Magie lediglich als Tarnung eines Kommunikationsvorgangs und man kann sich des Eindrucks nicht entziehen, dass Trithemius mit seinen astrologischen Tabellen und pseudo-lateinischen Gebeten...

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