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Agency in Arzt–Patient-Gesprächen

Zur interaktionistischen Konzeptualisierung von Agency

Series:

Jiyeon Kook

Um dem subjektiven Erleben von Patienten in Bezug auf Krankheit mehr Beachtung zu schenken, benötigt man wissenschaftliche Konzepte und Methoden, welche diesen vornehmlich kognitiven Aspekt von Krankheit überhaupt greifbar und somit letztlich analysierbar machen. Zugang zu komplexen kognitiven Konstrukten wie dem Krankheitserleben von Patienten eröffnet die verbale Darstellung von Beschwerden im ärztlichen Gespräch. Der Beitrag linguistisch-gesprächsanalytischer Forschung in diesem Zusammenhang besteht darin, mittels der Analyse ärztlicher Gespräche aufzuzeigen, auf welche sprachlichen Mittel und Verfahren Patienten bei der Darstellung ihres subjektiven Krankheitserlebens zurückgreifen. Erfolg verspricht dabei das Konzept Agency. Es erlaubt eine systematische Analyse subjektiver Erlebnisschilderungen von Patienten hinsichtlich der Frage, wie sie den eigenen Einfluss auf ihre Genesung wahrnehmen und einschätzen.
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3. Grundlagen

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3.  Grundlagen

In diesem Kapitel erfolgt die Darstellung der dieser Arbeit zugrunde liegenden theoretischen und methodischen Voraussetzungen. Wie bereits in der Einleitung angeführt, wird diese Arbeit dem interaktional-linguistischen Ansatz zugeordnet (Abschnitt 3.2), welchem Forschungsparadigma das Konzept der ethnomethodologischen Konversationsanalyse zugrunde liegt (Abschnitt 3.1). Da zur Beschreibung von Arzt-Patient-Gesprächen zum einen die Struktur der Gesprächskomponenten und zum anderen deren spezifischer Ablauf erfasst werden müssen, sollen zunächst handlungszentrierte Konzepte vorgestellt werden (Abschnitt 3.3), bevor der Forschungskontext der Arzt-Patient-Kommunikation (Abschnitt 3.4) und die Skizzierung des spezifischen Handlungsschemas des Arzt-Patient-Gesprächs (Abschnitt 3.4.2) behandelt wird. Schließlich folgt die Darstellung des linguistischen Erkenntnisinteresses medizinischer Kommunikation (Abschnitt 3.5).

3.1 Analysemethode: Ethnomethodologische Konversationsanalyse

Der Begriff Konversationsanalyse bezeichnet einen Forschungsansatz, der ursprünglich aus dem Bereich der Soziologie stammt.53 Weiterentwickelt zur Konversationsanalyse wurde das in den 1960er-Jahren entworfene ethnomethodologische Forschungsprogramm von dem ← 57 | 58 → amerikanischen Soziologen Harvey Sacks.54 Sie wurde in den USA, vor allem von Soziologen und Anthropologen ausgearbeitet (u.a. von Sacks/Schegloff/Jefferson (1974), Atkinson/Heritage (1984), Goodwin (1987)) und ursprünglich fußt sie auf der Ethnomethodologie, die von Garfinkel (1967) begründet wurde. Er untersucht und beschreibt die routinehaften Methoden der sinnhaften Herstellung sozialer Ordnung, die durch die Mitglieder einer Gesellschaft produziert werden. Die amerikanischen Konversationsanalytiker Sacks, Schegloff und Jefferson übertragen diesen Ansatz in den 1970er Jahren auf die Organisation des Gesprächs. In Deutschland führen Bergmann sowie Schütze und Kallmeyer dieses Konzept ein (vgl. Selting/Couper-Kuhlen 2001: 258). Traditioneller Forschungsgegenstand dieser Disziplin stellt...

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