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Büchner-Rezeptionen – interkulturell und intermedial

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Marco Castellari and Alessandro Costazza

Angesichts der unterschiedlichen Modalitäten und der verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption, die das Werk und die Figur Georg Büchners in zwei Jahrhunderten erfahren hat und weiter erfährt, muss heutzutage von Büchner-Rezeptionen in der Pluralform die Rede sein. Immer differenzierter entfaltet sich insbesondere die interkulturelle und intermediale Wirkung des Dichters, Wissenschaftlers und Revolutionärs. Sei es die Persönlichkeit des Dichters selbst, etwa beim Verfassen aufrührerischer Pamphlete, hellsichtiger Dichtungen oder fulminanter Briefe, auf der Flucht aus der Heimat oder am Seziertisch, seien es seine Figuren von Danton bis Lenz, von Leonce bis Woyzeck – das «Kind der neuen Zeit» genießt eine hohe internationale Resonanz in literarischen, theatralischen, filmischen, bildnerischen und performativen Diskursen. Anlässlich der internationalen Tagung zu Büchners 200. Geburtstag in Mailand (September 2013) untersuchen in diesem Band WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Italien einige dieser Büchner-Rezeptionen, indem sie bekannte Konstellationen hinterfragen, überfällige Rekonstruktionen vornehmen und sich auf neues Terrain begeben.
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Woyzeck im Gefängnis: Alessandro Costazza

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Alessandro Costazza (Milano)

Büchners Drama Woyzeck sagt uns nicht, wie das Schicksal seiner Hauptfigur verlaufen sollte und ob sie also wirklich, wie ihre historischen Vorbilder,1 zuerst ins Gefängnis gekommen und dann möglicherweise auf dem Schafott gestorben wäre. Der Titel meines Beitrages bezieht sich also nicht auf die Figur Woyzeck und auf ihre mögliche Einkerkerung, sondern vielmehr auf das Stück selbst, das zwischen 2007 und 2012 vom Teatro Nucleo in Zusammenarbeit mit der Strafanstalt von Ferrara achtmal innerhalb der Haftanstalt und zweimal, am 6. Juni 2011 und am 11. Oktober 2012, auch im Teatro Comunale von Ferrara öffentlich aufgeführt wurde. Dem Projekt „Cantiere Woyzeck. Sperimentazione sul Woyzeck di Georg Büchner2 (Baustelle Woyzeck. Experiment zum Woyzeck von Georg Büchner), das zu diesen Inszenierungen geführt hat, ist am 4. Oktober 2012 vom italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano der „Repräsentationspreis des Staatspräsidenten“ verliehen worden.3

Um die Besonderheit und die Bedeutung dieses Projekts zu verstehen, ist es notwendig, von der Biographie seines Organisators Horacio Czertok bzw. von der Theaterpädagogik und der Arbeit des Teatro Nucleo auszugehen.

Horacio Czertok wurde 1947 im argentinischen Patagonien von spanischer Mutter und polnischem Vater jüdischen Ursprungs geboren.4 1974 gründete ← 117 | 118 → er in Buenos Aires, zusammen mit Cora Herrendorf, die Theatergruppe Comuna Nucleo und wenig später das Teatro Nucleo, musste aber bereits 1976 infolge des Militärputsches Argentinien verlassen und verlegte seinen Wohnsitz endgültig nach Italien....

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