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Büchner-Rezeptionen – interkulturell und intermedial

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Edited By Marco Castellari and Alessandro Costazza

Angesichts der unterschiedlichen Modalitäten und der verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption, die das Werk und die Figur Georg Büchners in zwei Jahrhunderten erfahren hat und weiter erfährt, muss heutzutage von Büchner-Rezeptionen in der Pluralform die Rede sein. Immer differenzierter entfaltet sich insbesondere die interkulturelle und intermediale Wirkung des Dichters, Wissenschaftlers und Revolutionärs. Sei es die Persönlichkeit des Dichters selbst, etwa beim Verfassen aufrührerischer Pamphlete, hellsichtiger Dichtungen oder fulminanter Briefe, auf der Flucht aus der Heimat oder am Seziertisch, seien es seine Figuren von Danton bis Lenz, von Leonce bis Woyzeck – das «Kind der neuen Zeit» genießt eine hohe internationale Resonanz in literarischen, theatralischen, filmischen, bildnerischen und performativen Diskursen. Anlässlich der internationalen Tagung zu Büchners 200. Geburtstag in Mailand (September 2013) untersuchen in diesem Band WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Italien einige dieser Büchner-Rezeptionen, indem sie bekannte Konstellationen hinterfragen, überfällige Rekonstruktionen vornehmen und sich auf neues Terrain begeben.
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Isabelle Krötsch, Hans Kremer, BÜCHNER.LENZ.LEBEN. Belebung einer Dichtung durch Umsetzung vor Ort: Simonetta Sanna

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Simonetta Sanna (Sassari)

[W]er anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus. (Friedrich Nietzsche)

Der Film BÜCHNER.LENZ.LEBEN, dem die folgenden Überlegungen gewidmet sind, ist vom Atelier Kremer/Krötsch 2011–12 hergestellt worden. Regie führte Isabelle Krötsch, Malerin und Bühnenbildnerin an zahlreichen Theatern. Der einzige Darsteller indessen ist Hans Kremer, der auch in Leonce und Lena (Stadttheater Köln 1981, Regie Jürgen Flimm), Lenz (Thalia Theater Hamburg 1986, Regie Jürgen Flimm)1 sowie Dantons Tod (1989 mit Ruth Berghaus) spielte2 und darüber hinaus mit George Tabori, Yoshi Oida, Robert Wilson und Peter Stein gearbeitet hat.

„Am Anfang war das Wort. Also der Klang, also die Schwingung, Energie, ein Prozess“, heißt es in einem Programm des o. g. Ateliers Kremer/ Krötsch zu einer Original-Inszenierung von Büchners Dantons Tod, die zurzeit läuft. Auch in BÜCHNER.LENZ.LEBEN sind die figurativen und semantischen Entscheidungen in den Dienst des Textes gestellt, sodass sie das Prinzip „Am Anfang war das Wort“ zum dominanten Kriterium erheben, d. h. zum „Fokussierungselement“ des Films, das „die anderen Elemente regelt, bestimmt und verwandelt“.3

Aus diesem Grunde befassen wir uns zunächst kurz mit dem Text a quo, der Gegenstand der Verfilmung ist, bevor wir die spezifischen Ausdrucks ← 207 | 208 → möglichkeiten untersuchen, welche die Treue gegenüber dem 1839 veröffentlichten Text ad quem beweisen – eine Treue, die nach André Bazin mit dem „Respekt gegenüber dem Geist“ übereinstimmt und also...

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