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Büchner-Rezeptionen – interkulturell und intermedial

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Edited By Marco Castellari and Alessandro Costazza

Angesichts der unterschiedlichen Modalitäten und der verschiedenen Medialitätsgrade und -arten der Rezeption, die das Werk und die Figur Georg Büchners in zwei Jahrhunderten erfahren hat und weiter erfährt, muss heutzutage von Büchner-Rezeptionen in der Pluralform die Rede sein. Immer differenzierter entfaltet sich insbesondere die interkulturelle und intermediale Wirkung des Dichters, Wissenschaftlers und Revolutionärs. Sei es die Persönlichkeit des Dichters selbst, etwa beim Verfassen aufrührerischer Pamphlete, hellsichtiger Dichtungen oder fulminanter Briefe, auf der Flucht aus der Heimat oder am Seziertisch, seien es seine Figuren von Danton bis Lenz, von Leonce bis Woyzeck – das «Kind der neuen Zeit» genießt eine hohe internationale Resonanz in literarischen, theatralischen, filmischen, bildnerischen und performativen Diskursen. Anlässlich der internationalen Tagung zu Büchners 200. Geburtstag in Mailand (September 2013) untersuchen in diesem Band WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien und Italien einige dieser Büchner-Rezeptionen, indem sie bekannte Konstellationen hinterfragen, überfällige Rekonstruktionen vornehmen und sich auf neues Terrain begeben.
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Woyzeck in der Comic-Kunst: Büchners Drama in den „sprechenden Bildern“ von Dino Battaglia: Moira Paleari

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Moira Paleari (Milano)

Büchners Woyzeck erfährt im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts eine intensive bildnerische Rezeption.1 Auch in der Comic-Kunst2 wird das Drama adaptiert. Eines der prägnantesten Beispiele dieser Art stellt die Comic-Version des Woyzeck von Dino Battaglia dar, die 1974 in der 1965 von Giovanni Gandini gegründeten Zeitschrift „Linus“ in Mailand erschien und 1990 in der Reihe Altamira Literaturcomic auf Deutsch publiziert wurde.3

Battaglias Woyzeck nimmt einen signifikanten Platz im Gesamtwerk des Comiczeichners ein. Denn er verdeutlicht Battaglias Konzeption von Welt und Geschichte, fungiert als Modell für das Verständnis seiner Arbeitsweise und ermöglicht einen direkten Einblick in die intermediale Rezeption von Büchners Woyzeck.

In meiner Analyse von Battaglias Literaturcomic werde ich folgende zwei Aspekte untersuchen: In einem ersten Schritt gehe ich auf Battaglias Comic-Poetik ein, wobei insbesondere seine Inspirationsquellen und die thematischen Schwerpunkte seines Werks im Vordergrund stehen werden. Darauf aufbauend werde ich Battaglias intermediale Umgestaltung des Woyzeck ausgehend von folgenden Fragestellungen darlegen: 1) Wie und inwiefern wird die literarische Vorlage, Büchners Woyzeck, durch Battaglia gra ← 255 | 256 → phisch und textuell verarbeitet? In welcher Weise sucht die Comicversion dem Drama zu entsprechen? Welche Strategien liegen der Semantisierung der Figur des Woyzeck zugrunde? 2) In welchem Verhältnis stehen Bild und Text bzw. durch welche Erzählmodalitäten und zeichnerischen Mittel werden Figuren und Hintergrund modelliert?

Auf diese Weise sollen die inhaltlich und strukturell prägenden Strategien des Rezeptionsprozesses vonseiten Battaglias herausgearbeitet...

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