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Bindungsqualität zwischen Eltern und Kind in der zweisprachigen Erziehung

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Demeter Michael Ikonomu

Für Eltern in einer binationalen Familie ist die Vermittlung von Zweisprachigkeit eine besondere Herausforderung. Wie soll eine erfolgreiche zweisprachige Erziehung aussehen? In dieser Studie werden 65 europäische, zweisprachig erziehende Eltern untersucht, und zwar die Mütter bzw. Väter, die Vertreter der Nichtumgebungssprache sind, also der Sprache, die in dem Land, in dem sie leben, als Fremdsprache gilt. Im Fokus steht die Erziehungsperiode der ersten 6 Lebensjahre der Mädchen und Jungen. Das Erziehungsprinzip OPOL (One Person – One Language) wird bei den Auswertungen besonders berücksichtigt. Im Mittelpunkt der deskriptiven Studie stehen die psychologischen Faktoren, und zwar auf der Grundlage der Erkenntnisse der Bindungstheorie von John Bowlby. Die Studie geht unter anderem auf folgende Fragen ein: Welche Rolle spielen Elemente der Bindungsqualität zwischen Eltern und Kind für eine gelungene Zweisprachigkeit? Haben Faktoren wie die Nähe zum Kind oder die Feinfühligkeit gegenüber dem Kind Auswirkungen auf die zweisprachige Erziehung?
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7. Die Bedeutung der Bindungsqualität für die Sprachqualität: die verbale Feinfühligkeit

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7.Die Bedeutung der Bindungsqualität für die Sprachqualität: die verbale Feinfühligkeit

Auch die Sprache als Parameter für die Bindungsqualität zwischen Eltern und Kind steht im Fokus. Dabei kann das Bindungsverhalten über die Form der gesprochenen Sprache interpretiert und analysiert werden (vgl. Grossmann & Grossmann 2012). Neben Inhalt des Diskurses zwischen Eltern und Kind wird dabei auch auf die Ausgeglichenheit und Flüssigkeit des Diskurses geachtet. Zu den sprachlichen Auswirkungen des Redestils schreiben Karin und Klaus E. Grossmann:

Da sich mit zunehmenden Alter die Eltern-Kind-Interaktion immer mehr auf die verbale Ebene – den Diskurs – verlagern und wir die Diskursqualität als Feinfühligkeit auf der verbalen Ebene interpretieren, werden die bindungsrelevanten Merkmale eines Diskurses ausführlicher dargestellt: Der Begriff Ausgeglichenheit des Diskurses („Dyadic Balance“) bedeutet, dass beide ihr Gespräch vielmehr so gestalten, dass es den Gesprächspartner zur Weiterführung einlädt. Flüssigkeit liegt vor, wenn die Partner direkt und ohne auffällige Pausen miteinander sprechen und wenn die Kinder […] ohne erkennbare Schwierigkeiten die Information aus dem aktuellen Gespräch erfassen und wiedergeben können. (Grossmann & Grossmann 2012: 334)

Die Psychologen können folglich Eltern-Kind-Paare als bindungssicher bewerten, wenn ihr Diskurs flüssig und ausgeglichen ist und wenn sie im Dialog leicht miteinander über unterschiedliche Dinge sprechen können und damit ein freier Gedankenfluss möglich ist. Bei Untersuchungen haben Main und ihre Mitarbeiter die geistige Verinnerlichung von Bindungserfahrungen durch verschiedene Erfassungsmethoden erschlossen:

Zusammenfassend schilderten sie...

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