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Körper – Kultur – Kommunikation - Corps – Culture – Communication

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Edited By Alexander Schwarz, Catalina Schiltknecht and Barbara Wahlen

Mit seinem Körper versucht der Mensch, Gemeinsamkeit mit anderen Menschen herzustellen (Kommunikation) und systemhaft aufrecht zu erhalten (Kultur). Gleichzeitig sind der Körper und seine Eigenarten, wie etwa das Geschlecht oder die Generation, Ergebnisse von Kommunikation in Kultur. Beides ist keine harmonische Wechselwirkung, sondern ein problematischer, ja «skandalöser» Konflikt, den die aus vielen Forschungskulturen, Sprachen und Disziplinen stammenden Beiträge dieses Bandes einerseits historisch dokumentieren und andererseits theoretisch weiter denken. Dabei liegt der Fokus auf dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit in Europa, als sich die modernen Beziehungsstrukturen noch nicht verfestigt hatten. Die Beiträge gehen auf die gleichnamige Tagung zurück, die im Mai 2013 in Lausanne stattgefunden hat. Sie sind auf Deutsch, Französisch und Englisch verfasst.
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Das Passionsspiel, seine Strukturen und Funktionen in der Aufführungspraxis und in Lesetexten des 15. und 16. Jahrhunderts mit besonderer Berücksichtigung der Darstellung der Marter des Leibes Christi: Franz Simmler

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FRANZ SIMMLER (BERLIN)

Das Passionsspiel, seine Strukturen und Funktionen in der Aufführungspraxis und in Lesetexten des 15. und 16. Jahrhunderts mit besonderer Berücksichtigung der Darstellung der Marter des Leibes Christi

1.Forschungsstand, Erkenntnisziel und Materialgrundlage

In der deutschsprachigen Tradition des Passionsspiels wird für das 15. Jahrhundert bis zur Reformation eine Unterscheidung in Aufführungstext und Lesetext (Bergmann 1985) bzw. in Aufführungsmanuskript und Lesehandschrift mit der Zuordnung beider Klassifizierungen unter den Oberbegriff Spielhandschriften (Linke 1988, 530) vorgenommen. Zur Differenzierung werden die Kriterien der Überlieferungsart (Format, Gesamtanlage, Genauigkeit der Textwiedergabe), der textinternen Hinweise zur Bühnenpraxis (Verzeichnis der Bühnenorte, Regie- und Bühnenanweisungen unter Einschluss von Vorbereitungen kommender Handlungen) und der textexternen Hinweise zur Aufführungspraxis (Aufführungszeugnisse außerhalb der Spieltexte) herangezogen.

Die Rolle des Formats wird von Bergmann (1985, 1994) im Rahmen der Forderung der „unvoreingenommenen Einzelanalyse“ (Bergmann 1994, 22) eines jeden handschriftlichen Textexemplars hervorgehoben. Er unterscheidet ein Normalformat von einem Schmalformat, das bei einem Folioformat eine Blattbreite bis 17 cm, bei Quartformat eine solche bis 13 cm und bei Oktavformat eine solche bis 10,5 cm umfasst (Bergmann 1994, 23–25), und kommt zu ← 145 | 146 → dem Ergebnis, dass bei Aufführungstexten ab dem 15. Jahrhundert ein „deutliches Überwiegen des Schmalformats“ existiere, „dem aber doch nicht gerade wenige aufführungsbestimmte Texthandschriften in anderen Formaten gegenüberstehen“ (Bergmann 1994, 27). D. h., dass weitere Kriterien zur Unterscheidung von Aufführungstexten und Lesetexten herangezogen werden müssen (Linke 1988,...

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