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Hermann Bahr – Österreichischer Kritiker europäischer Avantgarden

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Edited By Martin Anton Müller, Claus Pias and Gottfried Schnödl

Bereits zeitgenössische Kritiker stehen irritiert vor der Breite des Werks des Schriftstellers und Journalisten Hermann Bahr (1863–1934) und monieren vor allem dessen Heterogenität. Verwirrung stiftet seine Praxis, ständig neue künstlerische Stile und kulturelle Tendenzen zu erahnen, sie zu lancieren und bald wieder zu ‚überwinden‘. Das lässt sich als Symptom für die um 1900 drastisch zunehmende Geschwindigkeit der kulturellen und technischen Entwicklung begreifen. So untersucht dieser Band, wie sehr das ‚Übermorgen‘ des Trendsetters Bahr nicht sowieso bereits die Gegenwart seiner Zeitgenossen darstellt. Die in diesem Band dokumentierten Aufsätze eint, dass er nicht als Vorreiter, sondern als Zeiterscheinung gefasst werden soll. Ursprünglich Vorträge einer Tagung, die im Mai 2013 in Berlin stattfand, erweitern sie die Diskussion in Bahrs Arbeitsfeldern Wirtschaftswissenschaften, Kunst- und Literaturgeschichte, Philosophie und Theater. Ferner behandeln sie seine Publikationspraxis sowie die Überlieferung seines Nachlasses.
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„Mondaine Stimmungsakrobaten“ Bahrs und Hofmannsthals Kreation der Moderne am Beispiel von Eleonora Duse und Isadora Duncan: Elsbeth Dangel-Pelloquin

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„Mondaine Stimmungsakrobaten“ Bahrs und Hofmannsthals Kreation der Moderne am Beispiel von Eleonora Duse und Isadora Duncan

Elsbeth Dangel-Pelloquin

Anfang November 1891, sechs Monate nach der ersten Begegnung, schreibt der achtundzwanzigjährige Bahr aus Linz an den siebzehnjährigen Hofmannsthal: „ich brauche Menschen, ich brauche Kunst u. am meisten, scheint mir, aber werden Sie, bitte, nicht gleich zu eitel, am meisten brauche ich Sie, weil Sie ein lieber Kerl sind“.1 Noch dreißig Jahre später, nach vielen Auf- und Abwärtsbewegungen der Beziehung, bekräftigt er im Selbstbildnis dieses Urteil: „Er ist auch schuld, nur Hofmannsthal ganz allein war zunächst schuld, daß ich in Wien blieb.“2 Hofmannsthal notiert sich nach der ersten Begegnung Ende April 1891: „ich glaube, ich gefalle ihm ebensogut als er mir“.3

So der Beginn der Freundschaft. Bahr schildert diesen Anfang in seinem wirkmächtigen Essay Loris und erhebt ihn zur Legende, Hofmannsthal kommentiert ihn in seinen Aufzeichnungen. Die Freundschaft dauerte – mit einer jahrelangen Unterbrechung und von starken Ambivalenzen geprägt – ein Leben lang, d.h. fast 40 Jahre. Beide Briefpartner haben mit keinem andern so intensiv über die Moderne nachgedacht, waren mit keinem andern an so vielen Projekten und Plänen beteiligt (die alle nicht zustande kamen),4 haben mit keinem andern so viele kulturelle Wechsel vollzogen. Die Freundschaft ← 55 | 56 → war auch eine Interessengemeinschaft: Hofmannsthal lieferte die literarischen Texte, Bahr hatte die Publikationsforen zu bieten und betrieb Propaganda für den Jüngeren, womit er zugleich...

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