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Psychologie der Lebendorganspende

Eine qualitative Studie zu Spendemotivationen, Spendeimperativ und der Relevanz von Geschlecht im Vorfeld einer Lebendorganspende

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Merve Winter

Das vorliegende Buch untersucht die psychische Situation von OrganspenderInnen und -empfängerInnen vor einer Lebendnierentransplantation. Ausgangspunkt für diese empirische Studie war der in den vergangenen Jahren häufig diskutierte Geschlechterunterschied in der Lebendorganspende, wonach Frauen häufiger zum Spenden bereit sind als Männer. Daher wurden Spendemotivationen und Entscheidungsprozesse im Hinblick auf eine Geschlechtsspezifik in den Blick genommen. Zentrales Ergebnis ist die Existenz eines so genannten «Imperativs zur Spende», der zwar für alle Angehörigen gilt, der aber in einer geschlechtsspezifischen Weise wirksam wird. Frauen vernehmen die «Anrufungen zur Spende» in anderer Weise als Männer und kommen diesen Anrufungen an sie häufig zuvor, während Männer vermehrt dann zu spenden scheinen, wenn außer ihnen niemand anderes in Frage kommt. Welche Herausforderung, Zumutung, aber auch Chance diese spezielle Situation im Vorfeld einer Lebendorganspende darstellt und wie sie psychisch verarbeitet wird, davon handelt dieses Buch.
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8. Ausblick

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8.Ausblick

Am Ende dieser Arbeit steht die Frage, welche Schlussfolgerungen aus dieser Studie für die klinische Praxis sowie für mögliche künftige Forschungsfelder zu ziehen sind. Außerdem gilt es, auf noch ungelöste Probleme im Rahmen der psychologischen Begutachtung sowie der Forschung zur Lebendorganspende aufmerksam zu machen.

Mit Hilfe qualitativer Methoden wurden die Spendemotivationen und Entscheidungsprozesse von LebendnierenspenderInnen untersucht. Dabei zeigten sich zunächst weniger Geschlechterunterschiede als im Vorfeld aufgrund der vorangegangenen Literatursichtung vermutet worden war. Es ließ sich aber gemäß der von Motakef (2011, S. 207) formulierten Forderung untersuchen, wie sich die Anrufungsprozesse an die OrganspenderInnen konkret gestalten und wo hier Geschlechterdifferenzen einsetzen. Die Anrufungsprozesse gestalten sich für Frauen und Männer nicht gleich. Frauen kommen häufig den Anrufungen an sie zuvor. Männer lassen sich im Rahmen der Organspende gerne als Helden anrufen. Frauen legen ein stärkeres Gewicht auf die Beziehungsgestaltung im Rahmen der Lebendorganspende und profitieren stärker von dabei auftauchenden reproduktiven Fantasien. Sie genießen einerseits die aktive und potente Position als Spenderinnen, empfinden sich aber umgekehrt als bedürftige Empfängerinnen nicht gleichermaßen depotenziert wie die Ehemänner in vergleichbarer Position. Die Ehefrauen gönnen ihren Männern die Position des heldenhaften Spenders. Ehemänner dagegen sehen ihre Frauen offenbar weniger gern in heldinnenhaften Positionen. Gemäß den Annahmen der Intersektionalität konnten die Interviews zeigen, dass es nicht das Geschlecht allein ist, das die Einstellung zu einer Spende bestimmt. Die Identitätspositionen als...

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