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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVII. Jahrgang / 2015

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Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält elf Vorträge, die während der Tagung zum Thema Grimmelshausens Der seltzame Springinsfeld Mitte Juni 2015 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Sieben weitere Beiträge ergänzen das neue Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu anderen Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
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Zu Struktur und internem Erzählzusammenhang der Kapitel 22 bis 26 in Grimmelshausens Seltzamem Springinsfeld

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Die Leyrerin-Episode gegen Ende des Seltzamen Springinsfeld (Kapitel 22 bis 26) ist in der Grimmelshausen-Forschung bisher eher sporadisch behandelt worden.1 Sowohl Funktion und Bedeutung des durch die Leyrerin missbrauchten „Vogelnestes“2 als auch die eingelagerte Melusinen-Episode sind bereits diskutiert worden.3 Vorliegende Studie hingegen begreift besagte Kapitel als geschlossene Erzählung und will zeigen, wie Grimmelshausen ihre Teilstränge verzahnt. In diesem Sinne ist zunächst die Handlung knapp zu skizzieren. Ausführungen zur Bedeutung sozialer und ökonomischer Hierarchien, zum Betrugsmotiv sowie zu intertextuellen Verstrebungen (Melusinen-Stoff, Johann Fischarts Ritter von Stauffenberg sowie Apuleius’Metamorphosen) schließen sich an. Zuletzt werden die eingestreuten ,antikatholischen‘ Pointen und das blasphemische Verhalten der Leyrerin beleuchtet. ← 245 | 246 →

1.    Handlungsüberblick

Die Leyrerin-Episode beschließt die in Kapitel 9 vom intradiegetischen Erzähler Springinsfeld begonnene Selbstbiographie.4 Dieser lebt nach seiner Söldnertätigkeit im Türkenkrieg von 1663/64 als Bettler.5 Er lernt die „eintzige gerade Tochter“ eines blinden Bettlers kennen (Spr 270), schließt sich ihrer Tätigkeit als fahrende Musikerin an und geht eine Versorgungsehe mit ihr ein. Dabei unterwirft er sich dem vom Schwiegervater diktierten Ehevertrag.6 Die Ehe selbst ist durch Dominanz der Leyrerin geprägt (vgl. Spr 272–274).

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