Show Less
Restricted access

Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft- XXXVII. Jahrgang / 2015

Series:

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält elf Vorträge, die während der Tagung zum Thema Grimmelshausens Der seltzame Springinsfeld Mitte Juni 2015 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Sieben weitere Beiträge ergänzen das neue Jahrbuch. Die Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» bietet Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu anderen Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.
Show Summary Details
Restricted access

Gottes Zeichen am menschlichen Körper und im menschlichen Geist. Christian Lehmanns Chronik Historischer Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten (1699) als regionale Anthropologie der Ausnahmefälle und Kuriositäten

Extract



Was ist der Mensch?1 Eine Frage, die sich angesichts der von Menschen verursachten Drangsale und Katastrophen in Mitteleuropa mindestens in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit äußerster Dringlichkeit zu stellen scheint – legt man die historischen und soziologischen Deutungsmuster des 21. Jahrhunderts zugrunde. Die Philosophie und der Spezialbereich der ,Menschenkunde‘ im 17. Jahrhundert verhandelt und verursacht die geistesgeschichtlichen Umbrüche, die mit dem Rationalismus verbunden sind, der sich als adäquates Erkenntnismodell in einem Zeitalter der Entdeckungen und naturwissenschaftlichen Experimente entwickeln sollte. Die Allmacht und Güte Gottes bleibt auf der anderen Seite für den Menschen als endlichem – und daher hochgradig fehlerbehaftetem – Element der Schöpfung konstitutiv.2 So kann die Philosophie nur Teilbereiche einer ,Menschenkunde‘ bereitstellen, unmittelbar zuständig sind mindestens ebenso die Theologie (als Mediatorin zwischen Gott und Mensch), die Jurisprudenz (als Ordnungsmodell des menschlichen Zusammenlebens), die Medizin (als Korrektiv der unzähligen menschlichen Gebrechen, in denen die Endlichkeit besonders plastisch zum Ausdruck kommt) und die Historiographie (als Exempelsammlung aller von ← 397 | 398 → Menschen unternommenen Handlungen). Und auch die Rhetorik leistet mit der Lehre von den Affekten einen überaus wichtigen Beitrag zur Erklärung bestimmter Vorgänge im menschlichen Temperament.

Zentraler Anlaufpunkt der kulturwissenschaftlichen Forschung war bislang indes das 18. Jahrhundert, wie z. B. das Symposion der Deutschen Forschungsgemeinschaft von 1992 mit dem Titel „Der ganze Mensch. Anthropologie und Literatur im 18. Jahrhundert“ mit seinen vielen facettenreichen Vorträgen überzeugend demonstrieren konnte.3 So rückte der Mensch in seiner Körperlichkeit,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.