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Interkulturelle Literatur in deutscher Sprache

Zehn Autorenporträts

Series:

Carmine Chiellino and Szilvia Lengl

Von Sprachwechslern im Kontext der Einwanderung und des politischen Exils auf den Weg gebracht, hat die interkulturelle deutschsprachige Literatur im Laufe von mehr als fünf Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht, deren Ausdruckspotential bei weitem noch nicht erschöpft ist. Ihre thematische und ästhetische Vielfalt ist primär auf die Herkunftssprachen und -kulturen sowie existentiellen Erfahrungen der daran beteiligten Sprachwechsler zurückzuführen, die sich auf die deutsche Sprache und Kultur als Werkzeug und Raum ihres Schreibens vorbehaltlos eingelassen haben. In dem vorliegenden Band werden folgende 10 Dichter und Romanciers exemplarisch vorgestellt: Cyrus Atabay, Zsuzsa Bánk, Artur Becker, Franco Biondi, Libuše Moníková, Terézia Mora, José F.A. Oliver, Yoko Tawada, Galsan Tschinag und Aglaja Veteranyi.
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Artur Becker: Eine Landschaft vor dem Vergessen bewahren

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I. Einführungsworte

An Stelle von nostalgischen Erinnerungen Emigrierter, Repatriierter oder Vertriebener, die das frühere Ostpreußen und heutige Warmia und Masuren auf Grund von nationalen Grenzverschiebungen oder in Folge von sozio-politischen Veränderungen verlassen haben, rückt der Schriftsteller Artur Becker individuelle Schicksale und seinen freien Entschluss zur Auswanderung in den Vordergrund seiner Prosa.

Becker legte bereits in seinem Prosadebüt Der Dadajsee den thematischen und motivischen Grundstein für seine weiteren literarischen Arbeiten, die häufig in die Zeit führen, in der Becker aus Polen ausgereist ist. Im Zentrum seines Werkes stehen seitdem die Auswanderung in die Fremde und die Rückkehr an den Herkunftsort, der polnische Emigrant und die Daheimgebliebenen, alte und neue Loyalitäten sowie die von drängenden Fragen nach Zugehörigkeit befreite Seenlandschaft von Warmia und Masuren. Mit der konsequenten Verwendung der lateinischen und polnischen Bezeichnung „Warmia“, anstatt des deutschsprachigen „Ermland“, löst der Autor die historisch gewachsene Erinnerungslandschaft von der Naturlandschaft, die seit jeher unabhängig vom geschichtlich wechselnden Anspruch der staatlichen Obrigkeiten den Menschen unterschiedlichster Herkunft, Sprache und Religion eine Heimat gewesen ist. Synchron dazu werden vom Schriftsteller die Ortschaften dieser Region als Gedächtnisplätze mit mehrfacher ethnischer bzw. nationaler Prägung erzählt, wie etwa sein Geburtsort Bartoszyce (vor 1945 Bartenstein), der von Masuren und Polen, Ukrainern, Litauern, Deutschen, Juden, Russen, Weißrussen und ihren warmischen Nachkommen bewohnt, also per se niemals monokulturell gewesen ist. ← 89 | 90 →

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