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Interkulturelle Literatur in deutscher Sprache

Zehn Autorenporträts

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Edited By Carmine Chiellino and Szilvia Lengl

Von Sprachwechslern im Kontext der Einwanderung und des politischen Exils auf den Weg gebracht, hat die interkulturelle deutschsprachige Literatur im Laufe von mehr als fünf Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht, deren Ausdruckspotential bei weitem noch nicht erschöpft ist. Ihre thematische und ästhetische Vielfalt ist primär auf die Herkunftssprachen und -kulturen sowie existentiellen Erfahrungen der daran beteiligten Sprachwechsler zurückzuführen, die sich auf die deutsche Sprache und Kultur als Werkzeug und Raum ihres Schreibens vorbehaltlos eingelassen haben. In dem vorliegenden Band werden folgende 10 Dichter und Romanciers exemplarisch vorgestellt: Cyrus Atabay, Zsuzsa Bánk, Artur Becker, Franco Biondi, Libuše Moníková, Terézia Mora, José F.A. Oliver, Yoko Tawada, Galsan Tschinag und Aglaja Veteranyi.
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Böhmen liegt nicht nur am Meer. Das Werk von Libuše Moníková als mitteleuropäisches Projekt

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I. Einführungsworte

„Der Preis ist für Schriftsteller nichtdeutscher Muttersprachler (sic!) bestimmt und erinnert mich daran, daß ich Ausländerin bin.“ Diese Worte Libuše Moníkovás in der Dankesrede zur Verleihung des Chamisso-Preises an die in Deutschland lebende Tschechin bezeichnen pointiert und klar die schwierige Stellung einer Autorin zwischen verschiedenen Kulturen, die der Preis würdigt. Da ihre Laufbahn als Schriftstellerin erst in der Migration und in der Sprache des Migrationslandes begann und ihre Motive und Themen, aber auch die neu gefundene Sprache eine bewusste Konfrontation und Verbindung mit ihrer Herkunft suchen, ist die Frage der „Zugehörigkeit“ auch in diesem Fall schwierig zu beantworten. Die nach allen Seiten streitbare Schriftstellerin hat sich als Künstlerin, Historikerin, Frau, politisches Subjekt eingemischt – in die Diskurse und Diskussionen beider Länder, die für sie „Heimat“ bedeuteten. Vor allem ging es ihr dabei um die Berührungen in und Wunden aus der Geschichte beider Länder, diese wollte sie aufdecken oder kritisch erinnern. Libuše Moníková ist eine Grenzgängerin nicht nur zwischen zwei Sprachen, sondern sie will aus ihrer Grenzsituation heraus auch so etwas wie eine Propädeutik zur Einübung in gelebtes Europäertum anbieten. Dennoch ist klar erkennbar: der Leser hat es vor allem mit Kapiteln aus dem Geschichts-Buch der Deutschen und Tschechen zu tun. Einer Geschichte, die bis zu ihrem Tode 1998 noch kein Schlusskapitel ahnen ließ und bis heute gut daran täte, auf die sowohl kritischen als auch...

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