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Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

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Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
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Biographik als Provokation. Wilhelm der Zweite (1925) von Emil Ludwig

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Christopher Meid

Kontroversen um Emil Ludwig

Wie kaum ein anderer Autor von Biographien hat Emil Ludwig öffentliche Debatten ausgelöst, die gerade auch die Frage nach der Legitimation seines Schreibens berühren. Insbesondere sein 1925 erschienenes Buch über den letzten deutschen Kaiser Wilhelm der Zweite rief zum Teil heftige Reaktionen hervor.1 Symptomatisch für die Angriffe von rechtskonservativer Seite ist die Philippika, die der Generalmajor a.D. Graf Plessen am 9. November 1925 in der Neuen preußischen Kreuzzeitung publizierte:

Jeder ernst zu nehmende Schriftsteller läßt sich bei seinen Arbeiten vom Takt leiten, gegründet auf vornehmer Gesinnung und exaktem Quellenstudium. Diesen Takt läßt Emil Ludwig – alias Cohn – in seinem Buch „Wilhelm II.“ total vermissen! Er malt das Porträt tendenziös mit giftigem Pinsel, getaucht in einen Farbentopf, in welchem die Flut gehässigster Kritik der letzten Jahre mit Raffinement planmäßig zusammengerührt ist.2

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