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Legitimationsmechanismen des Biographischen

Kontexte – Akteure – Techniken – Grenzen

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Christian Klein and Falko Schnicke

Warum und unter welchen Umständen werden Biographien als sinnhafte und überzeugende Darstellungen anderer Leben anerkannt? Diese Frage nach der Legitimität adressiert ein Kernproblem der Biographik, das ungeachtet seiner fundamentalen Bedeutung bislang in der Biographieforschung nur am Rande reflektiert wurde. Welche Beglaubigungsstrategien werden wann und von wem in welchen Kontexten als gültig akzeptiert? Wer gilt als legitime Biographin, wer als legitimer Biograph und wessen Lebensgeschichte als angemessener Stoff für eine Biographie? Mithilfe welcher Techniken evozieren Biographinnen und Biographen die Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung? Der vorliegende Band diskutiert diese und ähnliche Fragen im Rahmen ganz unterschiedlicher Fallstudien und nimmt damit erstmals die Legitimationsmechanismen des Biographischen in den Blick, ihre historischen und kulturellen Kontexte, die Akteure, die Techniken der Legitimation und ihre Grenzen. Er präsentiert die Ergebnisse der internationalen Tagung «Legitimationsmechanismen des Biographischen», die im September 2012 an der Universität Wuppertal stattfand.
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Köchelverzeichnis trifft Kamel. Musik und Paratexte in biographischen Filmen über Musiker

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Melanie Unseld

„Eine ‚Musikerbiographie‘ hat sich […] in verstärktem Maß auch den Details der Werke selbst [zu widmen]; die Musik Mozarts […] verlangt regelrecht danach, als neue ‚Quelle‘ der Mozart-Biographik berücksichtigt zu werden.“1 Mit diesem Standpunkt argumentiert Konrad Küster für das Konzept, eine „musikalische Biographie“, das Leben Wolfgang Amadeus Mozarts, nicht vorrangig anhand der Lebensstationen, sondern vielmehr anhand seiner Kompositionen darzustellen. Küsters Ansatz scheint nicht weiter hervorhebenswert, handelt es sich doch bei Mozart um eine Person, die vorwiegend aufgrund ihres musikalischen Handelns biographiewürdig ist, das biographische Interesse sich demnach vor allem aus seiner Musik selbst heraus ergibt. Das Dilemma, das Küster mit dem Konzept einer „musikalischen Biographie“ aber aufgreift, ist ein für die Musikerbiographik zentrales: Denn obwohl das biographische Interesse an Mozart und all jenen Personen, die Musik komponieren und/oder aufführen, sich aus ihrem musikalischen Handeln speist, stellt gerade die Musik für geschriebene Biographien ein Problem dar: Wie lässt sich das klingende Phänomen in Sprache umformen? Wäre eine dem Gegenstand angemessene Mozart-Biographie nicht vielmehr zu hören, denn zu lesen? Und im Hinblick auf den Zusammenhang dieses Bandes noch einmal anders gewendet: Wenn sich eine Musikerbiographie gerade über die angemessene Einbeziehung der musikalischen Werke legitimieren müsste, wie sähe die angemessene Einbeziehung der Musik dann aus?

Doch was ist in diesem Zusammenhang ‚Musik‘? Das notierte Werk (seine Skizzen, sein Autograph, sein Druck)? Eine Aufführung, mithin das klingende Ereignis – und wenn...

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