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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400–1750), Bd. II

Beiträge zur zweiten Arbeitstagung in Haldensleben (Mai 2013)

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Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Wie bereits in der ersten Arbeitstagung in Eisenstadt 2011 ausgeführt, weist die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren statistisches Verhältnis zur originalen deutschen Literatur in Frühneuhochdeutsch und Neulatein noch nicht ausreichend ermittelt ist. Sichtung, Aufarbeitung und bildungsgeschichtliche Wertung dieser Literatur gehören wohl zu den interessantesten und historisch aussagekräftigsten Aufgaben, welchen sich die Beiträge dieses Bandes exemplarisch widmen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Rezeption antiker Kultur (Wiederentdeckung der Palliata, Überlieferung von Mythologie, Verarbeitung von Vergil), auf der Filiation mittelalterlicher Motive und auf der Verbreitung von italienischer Renaissanceliteratur im deutschen Sprachraum. Neben herausragenden Beispielen der literarischen Rezeption europäischer Literaturdenkmäler und neulateinischer Texte werden ästhetische Probleme von Rezeptionsliteratur im Allgemeinen und die theoretische Basis des Petrarkismus im Besonderen dargelegt.
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Matthaeus Tympius (1566–1616) und die Rezeptionswege in der geistlichen Literatur der Frühen Neuzeit: Guillaume van Gemert

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Im ersten Band seiner Ars Apophthegmatica aus dem Jahre 1655 weiß Georg Philipp Harsdörffer, in der Kategorie zwei, der „Kunstquelle der Wortforschung“, im „Dritten Tausend“ unter der Nummer 2178,1 Anekdotisches zu berichten über den vier Jahrzehnte zuvor verstorbenen Münsteraner Schulmann und Weltgeistlichen Matthaeus Tympius2 (1566–1616), einen vehementen Verfechter katholischer Positionen aus den beiden Jahrzehnten unmittelbar vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Dabei schreibt er dessen Namen ganz bewusst, um der Pointe willen, mit i statt mit Ypsilon. Tympius habe sich, so Harsdörffer, schon zu Lebzeiten ein Epitaph machen lassen, Gegner von ihm hätten allerdings den Anfangsbuchstaben seines Namens, das T, vom Grabstein entfernen lassen, so dass impius übrig geblieben sei, was bekanntlich ‚gottlos‘ heißt. Als ihm das mitgeteilt worden sei, habe Tympius, der zu dem Zeitpunkt schon im Sterben gelegen habe, geantwortet, dass man da besser die ganze erste Silbe tilgen sollte, so dass pius im Sinne von ‚fromm‘ oder ‚gottesfürchtig‘ bleibe. Einer habe, so Harsdörffer, daraufhin ← 371 | 372 → gedichtet, dass der Umstand, dass Tympius sich lebendig begrabe, keine Gottlosigkeit sei, sondern kluge Gottesfurcht:

Mattheus Timpius hatte ihm eine Grabschrifft bey seinen Lebszeiten machen lassen; Es haben ihm aber seine Abhässige bey Nacht das T von seinem Namen hinweg gelescht/ daß verbliebe[n] ist Impius. Als er solches auf seinem Todbett erfahren/ hat er begert man solte ihm auch die Sylben Im ausleschen/ daß bliebe pius. Hierüber machte einer folgende Verßlein:

Quod sic...

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