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Streiflichter

Deutsche Literatur und Publizistik zwischen Kaiserreich und sechziger Jahren

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Friedrich Albrecht

In den hier zusammengestellten 17 Aufsätzen zu Literatur und Publizistik spiegeln sich die kritischen Phasen deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert auf vielfältige Weise: der Großmachtchauvinismus des deutschen Kaiserreichs und speziell Wilhelms II., die vier Jahre Völkermord im 1. Weltkrieg, die verratene Revolution von 1918/19, die dem Untergang zutreibende Weimarer Republik, die barbarischen Zustände im Dritten Reich Hitlers und schließlich die Spannungen nach 1945 im Kalten Krieg. Dargestellt werden diese Probleme anhand des Schaffens hoch begabter deutscher Dichter und Publizisten, die heute kaum noch bekannt sind.
Wer erinnert sich noch an den genialen, mit 24 Jahren verstorbenen Dichter Georg Heym, wer an die streitbaren Publizisten Maximilian Harden und Wilhelm Herzog, wer an den mit 25 Jahren im Rhein ertrunkenen Romancier Rudolf Braune, wer an Willi Bredel, dessen Roman über sein Martyrium im KZ Fuhlsbüttel seinerzeit in 17 Sprachen übersetzt wurde? Neue Arbeiten über Anna Seghers beschließen den Band. Die letzte von ihnen ist ein Essay, der unter dem Titel «Anschreiben gegen das Vergessen» ein Grundmotiv ihres gesamten Schaffens verfolgt.
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Maximilian Hardens Wochenschrift Die Zukunft und Frankreich (1911-1914)

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Genauso wenig, wie man über Die Fackel sprechen kann, ohne sich eingehend mit Karl Kraus zu beschäftigen, ist das im Falle der Berliner Wochenschrift Die Zukunft und des Maximilian Harden möglich. Das gilt zumindest für die Jahrgänge 1911 bis 1914, die hier zur Betrachtung stehen. Dem Heft vom 22. Dezember 1906, das er erstmal in Gänze alleine schrieb, folgten unzählige gleiche; die Zahl der Mitarbeiter schrumpfte, ihre Beiträge verloren an Gewicht, und wenn wir uns hier vor allem für die politischen Leitartikel der Zeitschrift interessieren, so ist zu sagen, dass Harden gerade dieses Feld kaum jemals einem anderen überließ. Harden hat also sein Blatt in einem Maße geprägt, wie es dem Leser heutiger Presse nicht mehr vertraut, ja kaum noch vorstellbar ist, und er wusste auch, dass die Attraktivität der Zukunft gerade darin bestand. Seine Leser griffen zu dem Blatt, um zu sehen, «wie sich in meinem Kopf die Welt malt»,2 schrieb er einmal. Mit diesem seinem Kopf also haben wir uns zunächst zu befassen, auch bei der Behandlung eines so speziellen Themas, wie es das Verhältnis der Zukunft zu Frankreich ist.

Von vornherein muss gesagt werden, dass hier nur Annäherungen, vorsichtige Markierungen möglich sind. Die Zeitgenossen sahen in Harden eine eigentümlich schillernde Persönlichkeit. Für seine zahlreichen Gegner war er – so Wilhelm Herzog in seinen Erinnerungen an Harden3 – ein politisches Chamäleon, eine charakterlose Proteusfigur, ja ein übler Schmierenkom...

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