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Heikle Versprechen

Bürgschaft und Fleischpfand in der Literatur

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Christine Spiess (Scherrer)

Versprechen sind prekär. Denn nimmt man sie als Worte, verpflichten sie zu Taten. Diese also heiklen Sprechhandlungen sind von literarischem Reiz. Namentlich Bürgschafts- und Fleischpfand-Geschichten verhandeln Versprechen. In einer differenzierenden und systematisierenden Lektüre eben solcher Texte setzt die Untersuchung ihr doppeltes Forschungsvorhaben um: Zum einen lotet sie die Bedingungen des literarischen Versprechens aus – um diese als körperliche, ökonomische und poetische zu erhellen. Zum anderen erörtert sie, auf Bürgschaft und Fleischpfand aufmerkend, zwei Erzähltypen. Die Studie ist diachron angelegt und verfährt komparatistisch. Und sie bedient sich sprechakttheoretischer Überlegungen sowie poetologischer und kulturwissenschaftlicher Ideen. Was die Textauswahl betrifft, werden mehrheitlich mittelalterliche Erzählungen bedacht. Die Arbeit berücksichtigt indes auch eine Fabel von Hyginus, Schillers Bürgschafts-Ballade und Shakespeares Tragikomödie The Merchant of Venice.
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4 Schluss

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4.1 Auswertung

Sinn und Zweck der sechs Fallbesprechungen war ein doppelter: Einerseits haben sie das Untersuchungsmaterial dahingehend aufbereitet, dass nun – in einem konsolidierenden Unterfangen – aus den Primärtexten sechs verschiedene Konzepte eines literarischen Sprechakts abgeleitet werden können. Andererseits bereiten sie, komparatistisch arrangiert, einer Begründung zweier Erzähltypen den Weg. Zum letztgenannten Bestreben vorweg ein knapper Kommentar: Da sich gemäss den Ausführungen in Kapitel 1.3 die beiden Erzähltypen heuristisch betrachtet nur induktiv, d.h. ausgehend von den sie konstituierenden Einzeltexten, erschliessen lassen, muss in Konsequenz auch deren Begründung doppelt ansetzen. Zuerst gilt es, die konkreten zeit- und kulturspezifischen Bedingungen für die Ausgestaltung einzelner Bürgschafts- und Fleischpfand-Erzählungen zu eruieren. Hernach sind diese Bedingungen – unter der Voraussetzung, dass sie sich jenseits ihrer spezifischen zeitlichen bzw. kulturgeschichtlichen Bestimmtheit auf einen transhistorischen Nenner bringen lassen – zu generalisieren. Anders formuliert: In der Annahme, dass sich die einzelnen Bürgschafts- und Fleischpfand-Erzählungen nur in ausgewählten kontextuellen Konstellationen ausgestalten, diese kontextuellen Konstellationen in ihrer Ausprägung aber einem bestimmten Muster folgen, müssen die massgeblichen Erzähltypen in einem Zweischritt eines zunächst differenzierenden, hierauf aber systematisierenden methodischen Vorgehens begründet werden, wobei der erste Ansatz die Unterschiede der Einzelerzählungen und ihrer Kontexte registriert, der zweite indes deren mögliche Verbindungen prüft.

Dass sich die Herausforderung einer zuerst differenzierenden Begründung der beiden Erzähltypen bzw. ihrer einzelnen Ausgestaltungen mit der konsolidierenden Besprechung der sechs Konzepte literarischer Performativität verbinden...

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