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Kann Literatur Zeuge sein?- La littérature peut-elle rendre témoignage ?

Poetologische und politische Aspekte in Herta Müllers Werk - Aspects poétologiques et politiques dans l’œuvre de Herta Müller

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Dorle Merchiers, Jacques Lajarrige and Steffen Höhne

Kann Literatur Zeuge sein? Diese Frage steht im Zentrum der vorliegenden Kongressakten, die aus der Tagung über Herta Müller im November 2012 in Montpellier hervorgegangen sind. Dabei wird das Werk von Herta Müller aus unterschiedlichen und komplementären Blickwinkeln betrachtet: von der Geschichte und der Kulturgeschichte aus, der Ästhetik und der Politik, der Linguistik und der Poetologie, der Psychologie und der Philosophie. Diese Perspektiven verbinden und ergänzen sich, sie beleuchten Spuren einer Ästhetik des Widerstands, die sich in Müllers Werk immer wieder manifestiert, und versuchen gleichzeitig auch erinnerungskulturelle und postkoloniale Fragestellungen auszuloten.
La littérature peut-elle rendre témoignage ? Cette question est au centre du présent volume, qui réunit les actes d’un colloque sur Herta Müller, organisé en novembre 2012 à Montpellier. Les approches sont diverses et complémentaires : historiques et culturelles, esthétiques et politiques, linguistiques et poétologiques, psychologiques et philosophiques. Ces différentes perspectives se conjuguent pour dégager les traces d’une esthétique de la résistance qui se manifeste en de nombreux endroits de l’œuvre de Herta Müller et pour tenter de répondre aux questionnements liés aux cultures de la mémoire et au post-colonialisme.
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Herta Müllers „Diskurs des Alleinseins“ – eine Stilbeschreibung und eine (späte) Antwort auf Iris Radischs Verriss der Atemschaukel: Herta Haupt-Cucuiu

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HERTA HAUPT-CUCUIU

Herta Müllers „Diskurs des Alleinseins“ – eine Stilbeschreibung und eine (späte) Antwort auf Iris Radischs Verriss der Atemschaukel

Im Jahre 1996, als meine Arbeit über Herta Müller erschien, belächelte ein Rezensent meine Behauptung, Herta Müller habe das Potential für eine Literatin von Weltrang. 13 Jahre später erhält Herta Müller den Nobelpreis, nach Erscheinen ihres Romans Atemschaukel. Zu Recht?

Die Meinungen der Kritiker könnten unterschiedlicher nicht sein. Bereits vor der Nobelpreis-Verkündung, am 20. 07. 2009, titelt Die Zeit „Kitsch oder Weltliteratur?“1 und druckt zwei Rezensionen zur Atemschaukel, ein Loblied von Michael Naumann und einen Verriss von Iris Radisch. Der Streit rankt sich vor allem um Herta Müllers Umgang mit der Sprache: Michael Naumann bewundert die „Kunstfertigkeit ihrer bildersatten Sprache“, Iris Radisch wiederum schilt diese als „abgeschmackt und formelhaft“, behauptet weiter „ Das lyrische Vokabular des 19. Jahrhunderts […] gehe(n) süßliche Allianzen ein mit den Instrumenten des Terrors.“ Und „Das Bestreben, die Dramatik des Erlittenen und schier Unerträglichen durch besonders erlesene Herz-Schmerz-Vokabeln und Engelbeigaben zu unterstreichen, bringt eine Kunstsschneeprosa hervor…“. Auch setzt sie noch eins drauf, vergleicht Herta Müller mit Imre Kertész und Primo Levi und schlussfolgert: „Doch ihre Methode heißt nicht Ausnüchterung, sondern Beseelung und Anverwandlung. Keine Beobachtung, keine Erfahrung, die nicht durch ihren poetischen Pinsel aufgemöbelt und dekoriert wird.“

Die Meinungen der Rezensenten driften also vor allem bei der Antwort auf die...

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