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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium- Berlin 2011

Massen und Medien bei Alfred Döblin

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Edited By Stefan Keppler-Tasaki

Das «Kollektivwesen Mensch» hat die literarische Imagination und das intellektuelle Verantwortungsbewusstsein Alfred Döblins bis an die Grenzen der Sprache herausgefordert. Der Schriftstellerarzt verfolgte das Phänomen der Masse im Leben der Großstädte, in den Weltkriegen und in globalen Migrationsbewegungen. Es motiviert die exuberanten Textmassen seiner Romane ebenso wie seine experimentierfreudigen Feuilletons, Radio- und Filmtexte, die auf ein Massenpublikum hin angelegt sind. Die «richtige Einstellung auf die Masse» wurde ihm zu Problem und Aufgabe neuer literarischer Repräsentationsformen und einer medialen Massenbildung.
Der Band dokumentiert das 18. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2011 zum Thema «Massen und Medien bei Alfred Döblin» in Berlin tagte und auch für den Massendiskurs einschlägige Autoren wie Ernst Toller und Hans Fallada berücksichtigte.
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Maschinenmenschen: Mediale Massenbildung bei Alfred Döblin: Peter Jelavich

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Maschinenmenschen

Mediale Massenbildung bei Alfred Döblin

Peter Jelavich

Am 2. Dezember 1930, drei Tage nach seiner Uraufführung in München, wurde Döblins Stück Die Ehe in Leipzig in Szene gesetzt. Als Bühnenbildnerin fungierte die 37jährige Leipziger Künstlerin Elisabeth Voigt, damals Meisterschülerin bei Käthe Kollwitz an der Preußischen Akademie der Künste. Döblin schrieb vor, dass es keine Requisiten in den Aufführungen des Stücks geben sollte, dafür aber Projektionsbilder. In der dritten Szene war ein Bild von einem Unternehmer vorgesehen: „Der Unternehmer ist ein Aufbau oder [eine] Projektion, Schornstein auf einem Kopf, Schreibmaschine und Telefondrähte aus den Händen, eine Fabrikfront als Brust, die Augen viereckige helle Fenster. Der Aufbau oder die Projektion ist der Hintergrund aller Szenen.“1 Diese Beschreibung diente als Vorgabe für Voigts Projektionszeichnung Maschinenmann, die sich jetzt im Berliner Kupferstichkabinett befindet (Abb. 1).

Das Bild stellt ein geeignetes Sprungbrett zum Thema dieses Bandes dar: Massen und Medien bei Alfred Döblin. Ein solches Verfahren ist ‚döblinistisch‘, da der Autor selber oft von einem Bild, einer Vision oder einem Gegenstand zur Komposition seiner Romane inspiriert wurde. Wallenstein wurde von einem Bild angeregt, welches „Gustav Adolf mit zahllosen Schiffen von Schweden über die Ostsee setzend“ darstellte.2 Eine ähnliche „bildgesegnete Aufhellung“ hatte Döblin schon bei der Entstehung der Drei Sprünge des Wang-lun gespürt, als der Wunsch, „eine revolutionäre Gärung in...

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