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Umstrittenes Grenzland

Selbst- und Fremdbilder bei Josef Ponten und Peter Schmitz, 1918-1940

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Philippe Beck

Das Grenzgebiet Eupen-Malmedy kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Nach langjähriger Zugehörigkeit zu den Niederlanden, dem Anschluss an das revolutionäre Frankreich und der 105-jährigen preußischen/deutschen Zeit wurde es durch den Versailler Vertrag schließlich dem Königreich Belgien zugesprochen. Aus diesem Blickwinkel werden hier mit Hilfe der komparatistischen Imagologie die deutsch-belgisch-französischen Beziehungen betrachtet.
Wie wurde in der Zwischenkriegszeit der Nationalitätenwechsel Eupen-Malmedys wahrgenommen? Wie wurde das Kriegstrauma verarbeitet? Haben die Schriftsteller aus dem Grenzland eine besondere Haltung eingenommen? War ihnen das drohende Unheil des Nationalsozialismus bewusst? Diese und andere Fragen liegen der ersten umfangreichen kulturhistorischen Studie zu Leben und Werk von Josef Ponten (1883-1940) und Peter Schmitz (1887-1938) zu Grunde.
Der Titel des Buches verweist in erster Linie auf Eupen-Malmedy, aber auch auf die Kriegslandschaft in Nordfrankreich sowie auf das linksrheinische Gebiet, das im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zum Schauplatz kriegerischer Handlungen wurde. Durch das Heranziehen zahlreicher Archivalien werden kaum bekannte Aspekte problematisiert, so dass ein neuer Einblick in jenen Zeitraum gewonnen wird, der eindeutig eine Schlüsselepoche der westeuropäischen Geschichte darstellt.

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Einleitung. Zwei Schriftsteller aus umstrittenem Grenzland

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19 Einleitung Zwei Schriftsteller aus umstrittenem Grenzland Auf den ersten Blick scheint die Herkunft aus dem Eupener Land die einzige Gemeinsamkeit zwischen den beiden Schriftstellern Peter Schmitz (1887-1938) und Josef Ponten (1883- 1940) zu sein. Dennoch stehen diese heute weitgehend vergessenen Namen exemplarisch für die pluralistische Kulturlandschaft der Zwischenkriegszeit im deutschsprachigen Raum Europas und verweisen auf die Komplexität der literarischen Gattungsvielfalt sowie auf die ideengeschichtlichen „Gemengelage“ der 1920er und 1930er Jahre, um den Ausdruck von Manfred Gangl und Gérard Raulet in ihrer Forschung über die Intellektuellendiskurse in der Weimarer Republik zu verwenden.1 Peter Schmitz’ Kampf gegen das ‚Dritte Reich‘ reiht sich auf den ersten Blick in die zahlreichen Einzelschicksale innerhalb der Friedens- bewegung ein. Doch man kann seinen Roman Golgatha (1931/1937) als einen außergewöhnlichen Fall der Antikriegsliteratur bezeichnen. Dass das Buch beim Einmarsch der Wehrmacht verbrannt, Schmitz’ Grab vom Ehrenfriedhof in Eupen entfernt und seine Witwe aus fadenschei- nigen Gründen von der Gestapo vernommen wurde, ist sowohl in seiner Heimatstadt Eupen als auch in der Erinnerungskultur der heutigen Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens kaum bekannt. 1 Manfred GANGL & Gérard RAULET, „Einleitung“, in ID. (Hg.), Intellektuellendiskur- se in der Weimarer Republik. Zur politischen Kultur einer Gemengelage, 2., neube- arbeitete und erweiterte Auflage, Frankfurt a. M. u. a., Peter Lang, 2007 (= Schriften zur politischen Kultur der Weimarer Republik, hg. v. Wolfgang BIALAS & Gérard RAULET, Bd. 10), S. 9-53, hier S. 39. Hiermit werden die besonderen politischen und ideologischen „Oszillationsprozesse“ bzw. Übergänge von einem Diskurs zum...

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