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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Edited By Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Bitburg – (k)eine Geste der Versöhnung. Zur Ambivalenz von Versöhnen und Erinnern beim Staatsbesuch Ronald Reagans in der Bundesrepublik 1985

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Bitburg – (k)eine Geste der Versöhnung

Zur Ambivalenz von Versöhnen und Erinnern beim Staatsbesuch Ronald Reagans in der Bundesrepublik 1985

Pia NORDBLOM

Vom 1. bis 6. Mai 1985 stattete der 40. Präsident der Vereinigten Staaten, der Republikaner Ronald Reagan (1981-1989), auf Einladung von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU, 1982-1998) der Bundesrepublik Deutschland einen Staatsbesuch ab. Am Morgen des 5. Mai suchten die beiden das Grab von Konrad Adenauer auf dem Waldfriedhof in Rhöndorf Bonn auf, anschließend die Gedenkstätte des vormaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen in Niedersachsen. Nachmittags standen in Rheinland-Pfalz die Ruhestätte von Kriegstoten auf der Kolmeshöhe bei Bitburg in der Eifel und der dortige US-Luftwaffenstützpunkt auf dem Programm. Der Tag endete mit einem Staatsbankett auf Schloss Augustusburg bei Brühl. Am folgenden Tag reisten Reagan und Kohl zum Hambacher Schloss in Rheinland-Pfalz, wo der Präsident mit Jugendlichen zusammentraf, bevor er von der Air Base Ramstein zu den nächsten Stationen seiner Europareise aufbrach1. Der Form nach schien dies ein ganz normaler Staatsbesuch in der Bundesrepublik zu sein, der höchstens durch die Hochrangigkeit des Gastes besonderen Glanz gewann. In zeit ← 117 | 118 → licher Nähe zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1945 sollte er der Intention Helmut Kohls zufolge eine symbolische Geste der Versöhnung ins Bild setzen. Tatsächlich aber entwickelte sich im Vorfeld des Besuchs eine beispiellose Kontroverse um die Programmgestaltung. Denn als die Planungen in den USA offiziell bekannt gegeben wurden,...

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