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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Bilanzierende Betrachtungen eines Lernprozesses. Blicke von außen auf Deutschlands Umgang mit der Vergangenheit

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Bilanzierende Betrachtungen eines Lernprozesses

Blicke von außen auf Deutschlands Umgang mit der Vergangenheit

Frank TROMMLER

1.  Die Lehren von Versailles und ihr fragwürdiger Effekt

Als die Sieger des Zweiten Weltkrieges über die Friedensordnung berieten, in die sie das geschlagene Deutschland einbinden wollten, verfolgten sie verschiedene Ziele, stimmten aber darin überein, keine Regelung nach dem Muster des Versailler Friedensvertrages nach dem Ersten Weltkrieg zu beschließen. „Versailles” war mit den Begleitbegriffen „Kriegsschuld” und „Reparationen” zum Synonym einer Nachkriegsordnung geworden, die mit ihrer extensiven politischen und wirtschaftlichen Bestrafung des Verlierers nicht Stabilität, sondern neue Kriegsgefahr produziert hatte. Nach 1945 galt es, den Verlierer für die mutwillige Auslösung des Krieges und die beispiellosen Exzesse von Inhumanität zu bestrafen, die Bestrafung jedoch als Ergebnis der selbstentfesselten deutschen Katastrophe, nicht bloßer Siegerwillkür zu kodifizieren. In der Tat lernten die Deutschen, die Teilung des Landes und die Abtrennung östlicher Territorien mit der Vertreibung von ← 793 | 794 → Millionen Landsleuten als grausame Strafe und als Folge von Hitlers Vernichtungskrieg hinzunehmen, der sie sich mehr oder weniger willig untergeordnet hatten.

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