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Turbulentes 1989

Genese der deutschen Einheit- Aus dem Polnischen übersetzt von Jens Frasek

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Janusz Sawczuk

Nach fast vier Jahrzehnten, in denen eine mögliche Vereinigung der beiden deutschen Staaten BRD und DDR kein aktuelles Hauptthema war, avancierte es im Herbst 1989 ganz überraschend zu einer Schlüsselfrage europäischer Politik. Der Autor versucht aufzuzeigen, wie der deutsche Einigungsprozess im nationalen und internationalen Rahmen in Gang gesetzt wurde.
Im Mittelpunkt der Studie steht nicht nur eine differenzierte Analyse der inneren und äußeren Bestimmungsfaktoren dieses Prozesses, sondern auch eine systematische Erörterung der Interessen und Perzeptionen der Siegermächte beziehungsweise der östlichen und westlichen Nachbarstaaten Deutschlands. Dabei wird deutlich, dass eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten nur im Kontext einer schrittweisen Vertiefung und Erweiterung der EU-Integration mit Ansätzen für eine gesamteuropäische Perspektive möglich war.
Dieses Buch ist eine Übersetzung des polnischen Originals «Od status quo do Planu Kohla» welches 2005 an der Universität Oppeln erschienen ist. Übersetzer: Jens Frasek.

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Kapitel VI

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Bonn und die „Vertragsgemeinschaft“. Zur Genese des Kohl-Plans 1. Bonn und die Reformkonzeptionen der Krenz’ Mannschaft Kohl machte kein Hehl aus seiner Unzufriedenheit mit dem in der Regie- rungserklärung Modrows dargelegten Konzept der Reformen in der DDR und dem Verhältnis zu den Grundlagen seiner Politik „im nationalen Interesse“: Modrow wollte offensichtlich die sozialistische DDR wirt- schaftlich retten, wies aber die Vereinigungsforderungen der Bundesre- publik ab. Noch am gleichen Tag, an dem Modrow vor der Volkskammer sprach, berichtete Kohl dem US-Präsidenten Bush von dem allgemeinen Charakter der Reformpläne in der DDR und fehlender konkreter Hin- weise in der Fragestellung nach dem Demokratisierungsprozess. Nur das Wirtschaftsprogramm der Regierung Modrow sei bemerkenswert.1 Diese angekündigte Eingliederung von marktwirtschaftlichen Elementen in die Planwirtschaft der DDR schien Kohl zu befriedigen, auch wenn dies – anders als in Polen oder in Ungarn – nicht eine klare Entscheidung für die Marktwirtschaft bedeutete. Bonns Zufriedenheit mit diesen unwesent- lichen Veränderungen zeugte davon, dass Kohl diesem Teil der Reformen keine große Bedeutung beimaß. Er wartete noch immer auf die „echten Reformen“ und prognostizierte einen Fall der ostdeutschen Regierung, wenn die Gesellschaft in der DDR nicht schnell freie Wahlen, Presse-, 1 Deutsche Einheit, op. cit., Dokument Nr. 93: Telefongespräch des Bundeskanzlers Kohl mit Präsident Bush 17. November 1989, S. 538. 262 Kapitel VI Parteien- und Gewerkschaftsfreiheit erhält.2 Kohl zeigte sich beunruhigt und versuchte Bush glauben zu machen, auch Gorbatschow sei beunru- higt, dass in der DDR keine solchen Reformen durchgeführt wurden...

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