Show Less

Topografien des Transits

Die Fiktionalisierung von Bahnhöfen, Hotels und Cafés im zwanzigsten Jahrhundert

Series:

Ulrike Zitzlsperger

Dieser Band untersucht die literarische und filmische Behandlung halböffentlicher Räume im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts. Bahnhöfe, Hotels und Cafés werden hier als topografische Fixpunkte verstanden, die angesichts politischer, kultureller und sozialer Veränderungen jeweils neu erschlossen oder wahrgenommen werden. Auf diese Weise können Narrative konkretisiert, soziale Konstellationen ausgeleuchtet und historische Umbrüche nachvollziehbar werden. Während der Schwerpunkt auf dem deutschen Sprachraum und hier wiederum Berlin liegt, findet, wo angemessen, auch der europäische Kontext Berücksichtigung.
Die chronologisch angelegte Auseinandersetzung mit Schriftstellern und Regisseuren schließt unter anderen Joseph Roth, Gabriele Tergit, Vicki Baum, Walther Ruttmann, Klaus Mann, Lion Feuchtwanger, Ingeborg Drewitz und W.G. Sebald ein und konzentriert sich erst auf die Zwischenkriegszeit und den Zweiten Weltkrieg, dann auf die Nachkriegszeit und den Kalten Krieg bis zur Wiedervereinigung Deutschlands. Darüber hinaus werden die halböffentlichen Räume auch in Hinblick auf ihre Rolle in der Kriminal-und Reiseliteratur und als Spiegel von Regional-und Landesgeschichten aufgegriffen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

I Zeit und Raum - Bahnhöfe, Hotels und Cafés

Extract

IZeit und Raum – Bahnhöfe, Hotels und Cafés Kapitel 1 Einführung Alles Unglück in der Welt beginnt damit, dass die Leute nicht zu Hause bleiben.1 Der von Jürgen Habermas 1961 in seiner Habilitationsschrift beobachtete Strukturwandel der Öf fentlichkeit ist – wie er unter anderem am Beispiel der europäischen Kaf feehäuser deutlich macht – vor allem an Kommunikation gebunden.2 Kulturgeschichtliche Veränderungen werden lang- und kurzfristig auch angesichts der Gestaltung und des Stellenwertes halböf fentlicher Räume deutlich und Literatur, Film und Presse setzen anhand von Berichten und Narrativen solche Entwicklungen für Leser und Zuschauer sinnfällig um. Ein bestimmter Ort kann dann komplexe Entwicklungen, aber auch für weite Teile der Gesellschaft relevante Erfahrungen und Themen bündeln. Christian Jäger und Erhard Schütz stellen zu solchen Prozessen im Kontext des Feuilletons der zwanziger Jahre und der hier entwickelten Städtebilder fest: Nicht die eigentliche Stadt gilt es zu kartographieren, sondern jene Punkte, die bemerkt und beschrieben werden. Solches Vorgehen ist natürlich nicht völlig von der realen Stadt, ihren Verkehrswegen, Gebäuden, Handels- und Kommunikationsstrukturen abzulösen, evident ist jedoch, dass die literarisierte Wirklichkeit eine Eigendynamik aufweist, die die Wahrnehmung über das Gegebene hinauszuführen vermag.3 1 Claus-Ulrich Bielefeld und Petra Hartlieb, Auf der Strecke. Ein Fall für Berlin und Wien, Zürich: Diogenes 2011, S. 1. 2 Jürgen Habermas, Strukturwandel der Öf fentlichkeit, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1990, S. 90–107. 3 Christian Jäger und Erhard Schütz,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.