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Topografien des Transits

Die Fiktionalisierung von Bahnhöfen, Hotels und Cafés im zwanzigsten Jahrhundert

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Ulrike Zitzlsperger

Dieser Band untersucht die literarische und filmische Behandlung halböffentlicher Räume im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts. Bahnhöfe, Hotels und Cafés werden hier als topografische Fixpunkte verstanden, die angesichts politischer, kultureller und sozialer Veränderungen jeweils neu erschlossen oder wahrgenommen werden. Auf diese Weise können Narrative konkretisiert, soziale Konstellationen ausgeleuchtet und historische Umbrüche nachvollziehbar werden. Während der Schwerpunkt auf dem deutschen Sprachraum und hier wiederum Berlin liegt, findet, wo angemessen, auch der europäische Kontext Berücksichtigung.
Die chronologisch angelegte Auseinandersetzung mit Schriftstellern und Regisseuren schließt unter anderen Joseph Roth, Gabriele Tergit, Vicki Baum, Walther Ruttmann, Klaus Mann, Lion Feuchtwanger, Ingeborg Drewitz und W.G. Sebald ein und konzentriert sich erst auf die Zwischenkriegszeit und den Zweiten Weltkrieg, dann auf die Nachkriegszeit und den Kalten Krieg bis zur Wiedervereinigung Deutschlands. Darüber hinaus werden die halböffentlichen Räume auch in Hinblick auf ihre Rolle in der Kriminal-und Reiseliteratur und als Spiegel von Regional-und Landesgeschichten aufgegriffen.

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II Geschichtsräume

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Kapitel 2 Liftknaben, Drehtüren, Bahnhofsuhren: Europa und die Zwischenkriegszeit Die Veränderung der politischen Landkarte Europas, die Rolle linker und rechter Ideologien und der tiefgreifende soziale und kulturelle Wandel gehören zu den Faktoren, die in den zwanziger und dreißiger Jahren einer- seits Ängste auslösten und andererseits, insbesondere in der Avantgarde, nach der Kriegserfahrung Energien freisetzten. Der Diskurs über bestimmte Einrichtungen beschreibt in diesem Zeitraum auch den Versuch, die mit Ende des Krieges ungültig gewordene Ordnung und die Erfahrung des allgegenwärtigen Memento Mori, das die Massen im Krieg angesichts von Giftgas, U-Booten, Panzern und Flugzeugen, Hunger und Krankheit geprägt hatte, räumlich zu fassen. Dabei überlagern sich die Quellen: Während die Literatur mit Hilfe der Bahnhöfe, Hotels und Cafés auf die neue Mobilität und soziale Dispositionen verweist, tragen die vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg und bis in die sechziger Jahre erschiene- nen Autobiografien und Rückblicke auf die Zwischenkriegszeit – zum Beispiel jene Carl Zuckmayers (1966) oder Fritz Kortners (1959) – dazu bei, dass die halböf fentlichen Räume mit Räumen der Kreativität assoziiert werden.1 Insofern ist manches stilisiert: Der retrospektive Versuch, eine 1 Carl Zuckmayer, Als wär’s ein Stück von mir: Horen der Freundschaft, Frankfurt a.M.: Fischer 2007. Fritz Kortner, Aller Tage Abend, München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1969. Gilbert Carr verweist hinsichtlich der Kaf feehäuser und ihrer Behandlung in der Literatur auf die Notwendigkeit, zwischen journalistischen und autobiografi- schen Werken unterscheiden zu m...

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