Show Less
Restricted access

Der Bruch

Ursachen und Konsequenzen des Umsturzes der Verfassungsordnung Polens 2015–2016

Series:

Klaus Bachmann

Der Autor untersucht die Auswirkungen der Wahlsiege der rechtspopulistischen Partei «Recht und Gerechtigkeit» in 2015. Sie gewann sowohl die Präsidentschafts- als auch die Parlamentswahlen in Polen und konnte als erste Partei nach 1989 ohne Koalitionspartner eine Regierung bilden. Mit geradezu revolutionärem Eifer ging sie daran, die bestehende Verfassungsordnung zu stürzen.

Dieses Buch beschäftigt sich ausführlich mit den Ursachen und gesellschaftlichen Hintergründen für diese Entwicklung und ihren Folgen für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und innenpolitische Stabilität in Polen. Es diskutiert die Konsequenzen für die internationale Position Polens in der EU und der NATO. Der Autor hält fest, dass die Entwicklung nicht nur einen Bruch mit der Verfassungsordnung, sondern auch mit den Traditionen und politischen Werten der polnischen Rechten und der außenpolitischen Grundlinie der Dritten Polnischen Republik darstellt.

Show Summary Details
Restricted access

3. Die Struktur gesellschaftlicher Konflikte in Polen

Extract

← 74 | 75 →

3.  Die Struktur gesellschaftlicher Konflikte in Polen

In den sechziger Jahren entdeckte der niederländische Soziologe Stein Rokkan, dass bestimmte, weit in die Vergangenheit zurückreichende soziale Konflikte sich im westeuropäischen Parteiensystem der Nachkriegszeit widerspiegeln. Mehr noch – diese historischen Konflikte prägen geradezu die Parteiensysteme im Westeuropa der Nachkriegszeit, je nachdem zu welchen Koalitionen zwischen sozialen Schichten und Klassen es im Laufe der Geschichte im jeweiligen Land kam. Als dauerhafte Ursachen von gesellschaftlichen Konflikten identifizierte Rokkan damals bereits die Französische Revolution, die zum Gegensatz zwischen Nationalstaat und einer (übernationalen) Kirchenhierarchie führte, die Industrielle Revolution, der wir den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit verdanken und die zur Entstehung des Sozialismus führte und den bis ins Mittelalter zurückreichenden Interessenkonflikt zwischen Stadt und Land bzw. zwischen Zentrum und Peripherie, der städtische Eliten und damalige Bauernbewegungen antagonisierte.54 Rokkans Modell wurde so populär, dass es bis heute nicht nur in der Politikwissenschaft, sondern sogar in den Medien Verwendung findet. Allerdings führt die unreflektierte Anwendung des Modells auf die spät und schwach industrialisierten Gesellschaften Ostmitteleuropas häufig zu Missverständnissen,55 aus zwei Gründen. Zum einen war Rokkans Modell schon teilweise überholt, als es entwickelt wurde, zum anderen fehlen für die meisten Elemente seiner Theorie in Ostmitteleuropa die historischen Voraussetzungen. Rokkans Modell ist auf die meisten westeuropäischen Länder anwendbar, sie wird aber problematisch, wenn man sie auf Ostmitteleuropa und Osteuropa überträgt – und zwar bei weitem nicht...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.