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Carl Stumpfs Berliner Phonogrammarchiv

Ethnologische, musikpsychologische und erkenntnistheoretische Perspektiven

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Edited By Martin Ebeling

Der Band versammelt Vorträge, die auf der 4. Jahrestagung der Carl-Stumpf-Gesellschaft gehalten wurden. Die Tagung fand im Ethnologischen Museum Berlin und dort an dem von Carl Stumpf 1900 gegründeten Phonogrammarchiv statt. Dementsprechend behandeln die meisten Beiträge Forschungen der Musikethnologie aus unterschiedlichen erkenntnistheoretischen Perspektiven. Der Band präsentiert sowohl aktuelle Arbeiten als auch Untersuchungen, die an die Forschungen von Stumpf oder seinen Schülern anknüpfen. Daneben diskutieren die Autoren Schriften von Stumpf zur Psychoakustik sowie zur musikpsychologischen Forschung und reflektieren die erkenntnistheoretischen Grundlagen von Stumpfs Werk (Wahrscheinlichkeit, Brentano und Stumpf zur Tonpsychologie, Gestaltpsychologie).

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Die Anfänge der musikpsychologischen Forschung zu Wunderkindern im Netzwerk um Carl Stumpf

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Zusammenfassung

Anekdotische Berichte über außergewöhnliche Hörleistungen musikalischer Wunderkinder – wie die Transkription von Gregorio Allegris Miserere durch den 14-jährigen Mozart auf Grundlage nur weniger Konzertbesuche – sind zwar spektakulär, aus wissenschaftlicher Sicht aber nur von begrenzter Aussagekraft. Erste Ansätze zu einer objektiven Gehör-Leistungstestung mittels standardisierter Akkord-Analyseaufgaben wurden erst gegen Ende des 19. Jhs. von Carl Stumpf entwickelt und ab 1900 zur Untersuchung musikalischer Wunderkinder wie Pepito Arriola, Erich Wolfgang Korngold oder Erwin Nyiregyházi von Stumpf und Forschern aus seinem näheren Umfeld eingesetzt. In diesem Beitrag werden nicht nur die historischen Testaufgaben vorgestellt, sondern auch die Funktionsweise des Berliner wissenschaftlichen Netzwerks um Stumpf aufgezeigt. Wir argumentieren, dass die wissenschaftlichen Wunderkind-Untersuchungen nicht die Singularität der dokumentierten kindlichen Leistungen beweisen, sondern das Ergebnis eines zufälligen Zusammentreffens von Forschern mit Kindern war. Die glückliche Kombination von Orten (Berlin, Wien oder Budapest) und Personen (Carl Stumpf, Erich Moritz von Hornbostel, Franziska Baumgarten oder Géza Révész) führte zur Dokumentation der Fälle für die Nachwelt, doch gab es vermutlich eine große Dunkelziffer von Kinder mit ähnlichem Hör-Leistungsvermögen. Sie lebten jedoch an Orten außerhalb des stumpfschen Netzwerks. Auch wenn Stumpf sich nur in einer kurzen Phase mit der Untersuchung von Einzelfällen beschäftigte, kommt ihm der Verdienst zu, die Grundlagen für eine objektive Diagnostik musikalisch überdurchschnittlich leistungsfähiger Kinder (Wunderkinder) gelegt zu haben.

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