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Evolutionär orientierte Bioethik im Zeitalter der Life-Sciences

Einführung in die nichtmedizinische Bioethik aus hermeneutisch-phänomenologischer Perspektive

Bernhard Irrgang

Der Autor entwirft einerseits eine Bioethik für den nichtmenschlichen Bereich, die die naturwissenschaftliche Zugangsweise der Evolutionsforschung insbesondere ethologischer Art (Verhaltensforschung) mit der molekularbiologischen Rekonstruktion des Lebendigen verbindet. Er konkretisiert andererseits den Gerechtigkeitsgrundsatz einer Gleichbehandlung unter vergleichbaren Umständen. Dies geschieht mithilfe des empirisch modellierbaren Kriteriums anwachsender Komplexität der Möglichkeiten von Lebewesen zu intelligentem Sozialverhalten. Damit setzt er sich von den bisherigen utilitaristischen und anthropomorphen Kriterien wie Schmerzempfindungsfähigkeit, Glück, Lebenswillen, Interessen oder Tierwürde ab.

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5. Ethische Probleme im Umgang mit Pflanzen, transgenen nachwachsenden Rohstoffen, industrialisierter Nahrungsmittelproduktion und functional Food

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5.  Ethische Probleme im Umgang mit Pflanzen, transgenen nachwachsenden Rohstoffen, industrialisierter Nahrungsmittelproduktion und functional Food

Die Analyse des anthropologischen Zugangs einer Domestizierung von Pflanzen und die historische Untersuchung des Ursprungs des Ackerbaus haben erwiesen, dass Werkzeuge, Bauweisen und kultivierte Pflanzen, verbunden mit der neuen Lebensform, an unterschiedlichen Stellen der Erde auftreten. Saatgut hat sich erhalten in prähistorischen Fundstätten, allerdings gibt es große methodische Probleme, Saatgut als solches zu identifizieren. Die neolithische Revolution ist als solche eine von uns rekonstruierte Einheit. Unter Einbezug des Umweltansatzes kann die Auswahl von Pflanzen, die groß und dauerhaft sind, als einer der ersten Ansatzpunkte für menschliches Züchtungshandeln gewertet werden (vgl. Cowan/Watson 1992, 2–4). Pflanzenzucht bzw. Tierzucht ist im Sinne einer Koevolution zwischen der Evolution der Ausgangsarten und technischem Handeln zu begreifen. Domestizierung ist selbst eine Art von Evolutionsprozess, aber auch die Entfaltung des Typs technischen Handelns, der als züchterisches Handeln beschrieben werden kann. Wichtigstes Element scheint die Auswahl und das Verbringen von Saatgut in neue Habitate zu sein. Explizit sind die Vererbungsregeln lange nicht bekannt, dennoch scheint eine Art von Umgangswissen mit evolutionären Prozessen vorhanden zu sein.

Gentechnik überwindet zwei Begrenzungen der klassischen Züchtung, nämlich (1) die des begrenzten Genpools, und (2) die starke Vermischung von Genomen, die bei der Kreuzung auftritt, weshalb bei der klassischen Züchtung die nicht gewünschten Eigenschaften durch das lange Verfahren des Herauskreuzens wieder eliminiert werden müssen. Herkömmliche Pflanzenz...

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