Show Less
Restricted access

Das Orientbild in der deutschsprachigen Reiseliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts

Zwischen Realität und Imagination

Series:

Karolina Rapp

Die Autorin beschäftigt sich mit den einschneidenden – traumatisierenden wie faszinierenden – Stationen der Kulturbegegnung von Ost und West. Sie untersucht die vielschichtigen Facetten des Orients als einerseits rein diskursiven, andererseits geografisch und historisch realen, wenngleich imaginär überfrachteten Topos. Die Analyse des mythischen und modernen Orientbildes in der deutschsprachigen Reiseliteratur ist eine Rückbesinnung auf die Fähigkeit der westlichen wie der östlichen Kultur, Offenheit gegenüber anderen Kulturen zu beweisen. Die Autorin macht auf kulturelle Überlagerungen, Wechselwirkungen und Synthesen aufmerksam und zeigt dadurch, dass das Eigene stets Teil am Anderen hat(te).

Show Summary Details
Restricted access

4. Der moderne Orient als Kulturphänomen

Extract

← 166 | 167 →

4.   Der moderne Orient als Kulturphänomen

Kulturbegegnungen vollziehen sich nicht nur dort, wo Menschen unterschiedlicher kultureller Abstammung aufeinander treffen. Sie vollzieht sich auch nonverbal dort, wo Einer den Anderen sieht. Sie sind sogar in der reinen Imagination möglich, wo ein Mensch in seiner Phantasie Vorstellungen von einer kulturellen Anderswelt entwickelt.610 Die Kulturkontakte zwischen Orient und Okzident begannen schon in der Antike. Sie erfolgten in erster Linie durch das Reisen über die Grenzen von Staaten und Großreichen. Reisende, die auf den gefahrvollen Wegen von einem orientalischen Kulturzentrum zum anderen waren, kamen mit Kenntnissen über fremde Weltregionen in die Heimat zurück. Sie brachten aber auch ihr Wissen in die Fremde. Es kam zu den unterschiedlichsten Formen des zwischenkulturellen Gedankenaustausches und der kulturellen Beeinflussung zwischen Morgen- und Abendland.611 Der Orient als Handlungsort und Kulturphänomen existierte im Bewusstsein des Abendlandes als eines seiner ältesten und am häufigsten wiederkehrenden Bilder des Anderen, des Gegenspielers, als sinnlicher Zufluchtsort, märchenhafte Phantasie, geistige Alternative.612 Die Entgegensetzung von Osten und Westen gehört zu grundlegenden Oppositionen, die bis zum Ost-West-Konflikt im 20. Jahrhundert und den gegenwärtigen Zeitdiagnosen vom Kampf der Kulturen die Welt in Atem hält.613 Territorial betrachtet bezeichnen die Begriffe Osten und Westen zwei höchst veränderliche Phänomene. Deren Charakter wird vor allem politisch, kulturell und religiös bestimmt. Der Kunsthistoriker Helmut Hühn bemerkt: ← 167 | 168 →

>Westen< und >Osten< fungieren dabei, begriffsgeschichtlich betrachtet, als...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.