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Danzig/Gdańsk als Erinnerungsort

Auf der Suche nach der Identität im Werk von Günter Grass, Stefan Chwin und Paweł Huelle

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Joanna Bednarska-Kociołek

Danzig/Gdańsk war im 20. Jahrhundert mehrmals Schauplatz der Weltgeschichte: Hier brach der Zweite Weltkrieg aus und hier entstand die polnische Gewerkschaft ‚Solidarnos´c´’. Die Autorin untersucht das literarische Bild der Stadt als doppelten Erinnerungsort bei Günter Grass, Stefan Chwin und Paweł Huelle. Vergleichend arbeitet sie heraus, wie die Schriftsteller die kulturelle Diversität der Stadt vor dem historischen Hintergrund ästhetisch zum Ausdruck bringen und die identitätsstiftende Funktion Danzigs/Gdańsks literarisch diskutieren.

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III. Vorgeschichte der Freien Stadt Danzig in Castorp Paweł Huelles

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Im Roman Zauberberg Thomas Manns ist folgender Satz zu lesen: „Damals hatte er [Hans Castorp] vier Semester Studienzeit am Danziger Polytechnikum hinter sich …“163. Dieser Satz ist das erste der drei Mottos des Romans Castorp von Paweł Huelle und zugleich sein Ausgangspunkt. Für Huelle war der von Mann nicht weiter vertiefte Satz eine Herausforderung und Inspiration für seinen ganzen Roman. Dieses Motto ist in diesem Falle ganz deutlich eine Brücke, die diese beiden Texte miteinander verbindet. Denn der Roman greift auf keinen vorhandenen Stoff zurück, sondern stellt sich als Vorspiel von Zauberberg dar. Huelle behauptet, Kultur sei die Kunst, bewusste Konstruktionen zu bilden, die wir benötigen, da uns Chaos umgebe164. Das literarische Werk solle gleich dem musikalischen Werk nach Regeln geschrieben werden, sonst entstehe Chaos. Castorp wurde tatsächlich wie der Zauberberg nach Regeln und im Sinne einer musikalischen Komposition durchkonstruiert, was im Besonderen die Passagen betrifft, in denen sich Castorp an seine Kindheit erinnert. Mit dem zweiten Motto von Kierkegaard: „Aber ebendies, dass es gewesen ist, macht die Wiederholung zu dem Neuen.“165 weist Huelle darauf hin, dass er sich beim Schreiben einer bewussten Konstruktion bedient: der Wiederholung. Bei Kierkegaard scheint das Wiederholen einer literarischen Tradition zugleich eine Erinnerung an sie und ihre Interpretation zu sein, die einen Blick in die Zukunft erlaubt. In diesem Geiste schrieb Huelle seinen Roman.

Die Intertextualität in Castorp hat ein hohes Niveau an Komplexität. Schon der Titel und die Mottos sind eine...

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