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Kommentare zum Buch Rut von Josef Kara

Editionen, Übersetzungen, Interpretationen – Kontextualisierung mittelalterlicher Auslegungsliteratur

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Ingeborg Lederer-Brüchner

Dieser Band versammelt verschiedene hebräische Kommentarfassungen zum Buch Rut, die dem Exegeten Josef Kara im 11. und 12. Jahrhundert in Nordfrankreich zugeschrieben werden können. Diese Kommentare sind textkritisch ediert, ins Deutsche übersetzt und detailreich analysiert. Im Kontext mittelalterlicher Bibelauslegung erörtert die Verfasserin die Kommentare. Dabei diskutiert sie die Verwendung sogenannter Glossenkommentare ebenso wie Fragen nach der Autorschaft mittelalterlicher Kommentare, ihre Bearbeitungen und die in den Kommentaren verwendeten Auslegungsarten. Besonders geht die Verfasserin auf die Rolle rabbinischer Traditionsliteraturen ein und behandelt philologische Grundlagenfragen. Durch die Studien der vorliegenden Kommentare ergibt sich eine neue Sicht auf mittelalterliche jüdische Bibelauslegung. Die Ausführungen beruhen auf Kommentaren zum Buch Rut in acht Manuskripten (z.B. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz Ms.or.fol.1221, London – The British Library Add. 22413 und Zürich – Zentralbibliothek Ms Or 157), die durch Abbildungen veranschaulicht werden.
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4. R. Josef Ben Shimon Kara

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4. R. Josef Ben Shimon Kara

R. Josef Ben Shimon Kara lebt ca. 1055–1125.105 Sein Name “Kara” bedeutet “[Vor-]Leser,” was auf Vorträge vor Publikum, etwa als Dozent, hindeutet.106 Sein Vater Shimon Kara ist wohl auch ein Gelehrter, dem im 19. Jahrhundert vorübergehend der Yalkut Shimoni zugeschrieben wurde.107 Seine Ausbildung erhält R. Josef Ben Shimon Kara von seinem Onkel R. Menachem b. Helbo, dem Bruder←45 | 46→ seines Vaters,108 dessen Erklärungen er in seinen Auslegungen verwendet.109 Aus der Provence macht sich Kara auf nach Norden.110 Bevor er nach Troyes kommt, hält sich Kara wohl zunächst in Worms auf. Seine Nennung durch dort ansässige Gelehrte lässt die Annahe zu, dass Kara in den 1070er bis 1080er Jahren in Worms ist,111 wohin er wahrscheinlich schon als Talmid Chacham (“Schriftgelehrter”) gekommen war.112 Später siedelt er nach Troyes über, wo er mit Rashi in Verbindung tritt, als dessen Talmid Chaver (“Schüler, der gleichzeitig Kollege ist”) er bezeichnet werden kann.113 Rashi und Kara nehmen in ihren Kommentaren aufeinander Bezug.114 In Rashis Nachfolge wendet sich Kara v. a. der literarischen Analyse biblischer Texte zu.115←46 | 47→

4.1. Karas Auslegungsart

Neben der Bibel legt Kara liturgische Texte116 und Piyyutim aus,117 jedoch nicht den Talmud.118 Karas Auslegungen sind nicht vollständig erhalten,119 z. B. sind seine Kommentare zur Tora nur teilweise problemlos einzusehen.120 Wie bereits er←47 | 48→wähnt stehen in Karas Auslegungen literarische Beobachtungen im...

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