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Deutungsspielräume

Mehrdeutigkeit als kulturelles Phänomen

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Edited By Nicolas Potysch and Matthias Bauer

Dieser Band ist aus einer interdisziplinären Ringvorlesung hervorgegangen, die von den Doktorandinnen und Doktoranden des Tübinger Graduiertenkollegs „Ambiguität: Produktion und Rezeption", federführend Nicolas Potysch und Sophia Kuhs, initiiert und geplant wurde. In den Beiträgen aus 12 verschiedenen Fachgebieten geht es darum, wie sprachliche und semiotische Mehrdeutigkeit an die Deutung der Wirklichkeit rückgebunden ist. Die Beiträge untersuchen Ambiguität (als Mehrzahl abgrenzbarer Bedeutungen) und Vagheit (als Spektrum nicht abgrenzbarer Bedeutungen) in Texten und Bildern. In Verbindung damit diskutieren sie zahlreiche Phänomene in kultureller, politischer, juristischer, psychologischer und didaktischer Praxis, die deutungsoffen und deutungsbedürftig sind.

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Einleitung

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Die in diesem Band versammelten Beiträge eint nicht die Wahl ihrer konkreten Gegenstände, ein strenges theoretisches Fundament oder ihre disziplinäre Zugehörigkeit, sondern die Beschäftigung mit einem Phänomen, das in den unterschiedlichsten Zeichensystemen realisiert eine kulturelle Konstante darstellt: Mehrdeutigkeit.

Seinen Ausgangspunkt fand diese Sammlung im Sommersemester 2015 in einer vom DFG-Graduiertenkolleg 1808: Ambiguität – Produktion und Rezeption, unter Federführung der beiden Doktoranden Nicolas Potysch und Sophia Kuhs, ausgerichteten Ringvorlesung an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Ausgehend von der Arbeit im Graduiertenkolleg war das Ziel der Veranstaltung, neben Ambiguität – als einem Spezialfall der Mehrdeutigkeit – auch die Randbereiche des Untersuchungsfeldes auszuloten und den Dialog mit Disziplinen zu suchen, die nicht dem Feld der Philologie entstammen. Die Entscheidung für einen multidisziplinären Zugang erfolgte dabei aus der Überzeugung, auf diese Art unterschiedliche Teildiskurse (wieder oder erstmals) miteinander in den Dialog zu bringen, z. B. die Soziologie/Geographie, die Linguistik und die Informatik. Phänomene der Mehrdeutigkeit und der Deutungsoffenheit sind für viele Forschungsfelder charakteristisch, doch meist werden sie nur in disziplinärer Perspektive untersucht. Die daraus entstehenden Verzerrungseffekte können durch die Einbettung der Einzelbeiträge in einen interdisziplinären Korrektiv-Zusammenhang als solche erkannt und reduziert werden. Exemplarisch dafür ist die Notwendigkeit, das eigene Verständnis von Mehrdeutigkeit in einem Forschungsfeld zu positionieren oder systemlinguistische Modellierungen unter Berücksichtigung wahrnehmungspsychologischer Prämissen zu konkretisieren.

Ein zentrales Problem in der Auseinandersetzung mit dem weiten Feld semantischer Uneindeutigkeit...

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