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Goethes Persien-Bild

Eine intertextuelle Studie zum «West-Östlichen Divan»

Series:

Atefeh Soleimani

Die Autorin rekonstruiert Goethes Persien-Bild, wie es sich einerseits aus dem «West-Östlichen Divan» und andererseits aus den umfangreichen Nachforschungen, Lektüren, Briefwechseln und Schriften ergibt, die der Dichter im Verlauf der Entstehung und Produktion seines Werkes herangezogen hat. Sie fasst Goethes Text als eine Art Austauschprojekt zwischen Ost und West und nicht als eine bloße Rekonstruktion orientalischer Dichtungstraditionen auf. Transkulturell verstanden, thematisiert der «Divan» eine Öffnung zwischen okzidentalischen Bausteinen und orientalischen Werten. Das Buch diskutiert die Rolle der persischen Dichter Saʿdi und Ḥāfeẓ als intertextuelle Quellen sowie Goethes literarische Verarbeitung der Vorlagen.

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7 Intertextualität und Interkulturalität im West-Östlichen Divan

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7    Intertextualität und Interkulturalität im West-Östlichen Divan

Der West-Östliche Divan von Goethe (1819) steht am Beginn der Würdigung orientalischer Literatur im deutschsprachigen Raum. „Versammlung“ ist die Bedeutung des persischen Wortes Divan, gemeint ist die (Ver-) Sammlung von Gedichten.948

7.1    Zur Buchgestalt

Goethes Divan hat zwei Haupteile, den eigentlichen Divan (S. 9–136) und die von Goethe beigefügte Einführung, die so genannten „Noten und Abhandlungen“ (S. 137–283), die in der Ausgabe von 1819 zunächst die Überschrift „Besserem Verständnis“ (S. 137) erhalten haben. Die Einteilung des Divan erfolgt in 12 „Bücher“; Goethe selbst hat diese mit persischen und deutschen Überschriften versehen. Die „Noten und Abhandlungen“ behandeln in etwa 60 Kapiteln verschiedenste Gesichtspunkte des Orients. Goethe nimmt in diesem Prosateil auch Bezug auf große historische Ereignisse, Religion und Literatur des Orients. Damit die Leser die Gedichte des Divan im Gesamtkontext begreifen und wirklich nachvollziehen zu können, berichtet der Prosateil von Goethes Recherchen über den orientalischen Kulturkreis. Zweiteilig ist also der gesamte Divan strukturiert, wobei beide Teile die Kultur des Orients thematisieren und zur Diskussion stellen. Um den Orient insgesamt kennenzulernen, liefert der Prosateil die nötige Motivation.949 Goethe beginnt mit kurzen Charakteristiken orientalischer Völker: der Hebräer, Araber und Perser. Historische Betrachtungen, u. a. über Moḥammad und die Kalifen, kommen hinzu. Ferdōsī, Anwarī, Neẓāmī, Rūmī, Saʿdi, Ḥāfeẓ und Ğāmī, die sieben großen persischen Dichter, werden in kurzen...

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