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Online-Beratung im Gruppenchat für Jugendliche und junge Erwachsene

Zwischen Leichtigkeit und Tiefgang

Monika Vey

Virtuelle Beratungsräume statt personaler Begegnung? Vor allem für junge Menschen bietet die leichte Verfügbarkeit eine Chance, fachliche Hilfestellung wie qualifizierte psychologische Beratung ohne große Hürden zugänglich zu machen. Im Gruppenchat als hybrider Form kann sowohl Fachkompetenz wie auch Peer-Empowerment abgerufen werden. In der empirischen Analyse von Chattexten aus der Jugendberatung der bke beleuchtet die Autorin das Spannungsfeld zwischen scheinbar oberflächlichem Plaudern und ernsthafter Selbstreflexion und beschreibt die Auswirkungen einer Verschränkung dieser beiden scheinbar unvereinbaren Themenfelder. Sie diskutiert Chancen und Grenzen sowie typische Eigenheiten der medienbasierten Jugendberatung und Anregungen zur Qualifizierung für dieses Tätigkeitsfeld.

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5.3.1 Beispiel Elli: Vermeiden von Ambivalenz und Selbstreflexionszumutungen

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Ausschnitt 19: Beispiel „Elli“ in bke-Ulla, 28.11.1190

Die Fachkraft rundet die Einstiegs- und Smalltalk-Phase mit dem abschließenden Satz „okay-alle an bord…“ (Z. 86) ab, bevor sie die Frage nach den zu bearbeitenden Themen stellt (Z. 87, 88). Mit dieser Formulierung gibt sie eine Suggestiv-Botschaft vor, die das Bild einer Gemeinschaft mit klarem Auftrag (alle ← 194 | 195 → an Bord, jetzt soll das gemeinsame Ziel von der Schiffs-Crew angesteuert und erreicht werden) als Vorstellung entstehen lässt – möglicherweise eine Zusammenfassung ihres Erlebens aus der Smalltalk-Phase, aber wohl ebenso Ausdruck ihres Wunschdenkens bzw. der Intention für diesen Chat. Diese Metapher stellt eine geschickte (hypno-)therapeutische Intervention im Sinne eben dieser suggestiven Einladung dar: Kommt, wir sind gemeinsam unterwegs, tragt alle euren Teil jetzt dazu bei…. Innerhalb von 6 Sekunden nach ihrer Frage erfolgen daraufhin drei Anmeldungen (Z. 89–91), so dass man ziemlich sicher sein kann, dass diese schon vorher überlegt waren, eventuell schon vor dem Chat oder in der Anfangsphase, und die Möglichkeit einer Anmeldung nicht erst nach Lesen der Fachkraft-Frage erwogen wurde.

Die drei Anmeldungen unterscheiden sich in Stil und Umfang. Die erste, nach drei Sekunden, entspricht am ehesten einem vollständigen Satz, selbst wenn grammatikalisch Unzulänglichkeiten auffallen („n thema“), was in der konzeptionell mündlich geprägten und Lautsprache nachahmenden Onlinekommunikation ein häufig auftretendes Phänomen ist. Die zweite Teilnehmerin, die sich meldet (Z. 90), antwortet sozusagen verkürzt auf die Frage „wer hat was“ mit „ja, ich...

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