Show Less
Restricted access

Griechische visuelle Poesie

Von der Antike bis zur Gegenwart

Series:

Lilia Diamantopoulou

Die Autorin untersucht das Formenspektrum griechischer visueller Poesie in ihrer sprachlichen und kulturgeschichtlichen Spannbreite: Vom antiken Technopägnion, den Kuben und Trigona, über die byzantinischen «gewebten Verse» oder die neuzeitlichen figurierten Lobgedichte bis hin zur Vielfalt experimenteller Formen in der Moderne und der Code Poetry unserer Zeit. Die literaturhistorische Darstellung berücksichtigt neben der rein textuellen Seite der entsprechenden Artefakte auch deren medialen und performativen Charakter und setzt sie in Bezug zu den internationalen Strömungen.

Show Summary Details
Restricted access

6. Neuer Wein in alten Gefäßen

Extract

6.    Neuer Wein in alten Gefäßen

Der Übergang zwischen 18. und 19. Jahrhundert ist in vielerlei Hinsicht als Umbruchszeit zu verstehen: in Bezug auf die politische Autonomisierung Griechenlands, die die Herrschaftsverhältnisse neu ordnet; in Bezug auf die Herausbildung eines Nationalbewusstseins und die eingehende Beschäftigung mit der historischen Identität (Antike, Byzanz); in Bezug auf die Sprache, die für den Ausdruck dieser nationalen Identität am besten geeignet ist; und damit verbunden, in Bezug auf die Metrik, die den neuen poetischen Ausdruck angemessen erläutern kann (versfüßezählendes vs. silbenzählendes Prinzip). Nun ist besonders interessant, welche Stellung das Figurengedicht in all diesen Punkten hat. In den vorangehenden Kapiteln wurden einige besonders interessante Beispiele des figurierten Personenlobs behandelt, die zudem in unterschiedliche Herrschaftsstrukturen eingebunden sind (z. B. Fürstentum und Königtum). Nun soll in den folgenden Kapiteln die Einbindung des Figurengedichts in die Sprachenfrage und seine Behandlung in den zeitgenössischen, sowohl Alt- als auch Neugriechischen Verslehren und Metriken untersucht werden (mit einem besonderen Augenmerk auf die Werke von Zinovios Pop, Charisios Megdanis und Panagiotis Gritsanis).

6.1.     Figurengedichte und Sprachenfrage

Wie bereits festgestellt, ist das Figurengedicht im Ausgang des 18. Jh. nicht nur formal, sondern auch sprachlich eng an das antike Technopägnion angebunden. Eine Verwendung der Volkssprache im Figurengedicht scheint zunächst undenkbar, da die Gattung sich auch in ihren sprachlichen Vorgaben an dem antiken Vorbild orientiert. Für diese Ausrichtung mag zudem dessen Einbindung in der Lehre...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.