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Der Islamische Staat – Zwischen Terrorismus, Guerilla und Staatlichkeit

Eine systematisch-kritische Studie zum Forschungsstand

Kevin Horbach

Ist der Islamische Staat (IS) ein Terrornetzwerk, eine Guerillaorganisation oder doch ein Staat? Dieses Buch beantwortet die Frage, indem es hinter die Fassade des Kalifats blickt: Es zeigt auf, wer die Entscheidungsträger des IS sind und nach welcher Ideologie und Strategie sie denken und handeln. Zudem betrachtet es den Aufbau der Organisationsstruktur und der transnationalen Vernetzung. Auf Grundlage der Ergebnisse diskutiert diese Studie am Ende ebenfalls potentielle Gegenmaßnahmen.

Durch eine systematisch-kritische Analyse und Auswertung der wichtigsten Fachliteratur zum IS filtert dieses Werk die zuverlässigen Informationen über den Akteur heraus, sodass am Ende ein umfangreiches Gesamtbild präsentiert wird. Vor dem Hintergrund der Terrorismusforschung verortet die Studie den IS als einen Hybrid aus Terror-und Guerillaorganisation.

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4. Organisationsstruktur – zwischen totalitärer Theokratie und Geheimdienstorganisation

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4.  Organisationsstruktur – zwischen totalitärer Theokratie und Geheimdienstorganisation

Nach der Proklamation des Kalifats und der Namensänderung zu „Islamischer Staat“, wurde das Programm der Terrororganisation, einen eigenen Staat zu etablieren, jedem Betrachter deutlich. Auch wenn es schon vorher Hinweise auf dieses Vorhaben gegeben hat,43 so nahm es Ende Juni 2014 für jedermann sichtbar seine wohl endgültige Form an. Wie bereits einführend angesprochen, soll der Islamische Staat in dieser Arbeit, trotz seiner Versuche eine neue Staatsform mit altbekannten Attributen zu etablieren, als Hybrid aus Terror- und Rebellenorganisation betrachtet werden. Diese Sichtweise ergibt sich zum einen durch die nahezu einstimmige Bezeichnung als solche in der Fachliteratur, zu anderem aber auch durch die Problematik, dass es äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, das Staats- und Herrschaftsmodel „Kalifat“ aus dem 8. Jahrhundert und die damit verbundenen Vorstellungen, wie die Nicht-Anerkennung von Grenzen, in das heutige Staatensystem nach der Westfälischen Ordnung zu integrieren.

Die Spannweite der Beurteilung der Staatlichkeitsfrage in der Literatur reicht von dem IS als Terrororganisation mit einem neu entwickelten Modell für „social governance“ (Lister 2015: 25), über den IS als aufgeblähter Geheimdienstapparat, der durch Ex-Geheimdienstler gelenkt wird und durch Bespitzelung, Bestechung und Unterwanderung seine Macht als „Stasi- Kalifat“ (Reuter 2015, 30) etablieren und festigen konnte, bis hin zu dem IS als de facto Staat, der ein Kernterritorium hält, eine Bevölkerung besitzt, eine Regierungsstruktur hat und nach unserem Staatlichkeitsverständnis einer totalitären...

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