Show Less
Restricted access

Erinnerungskonkurrenz

Geschichtsschreibung in den böhmischen Ländern vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Series:

Joachim Bahlcke

Deutungen historischer Ereignisse unterliegen vielfältigen Modifikationen, Anpassungen und Ausblendungen, die ihrerseits Ausdruck veränderter Machtverhältnisse, Wertvorstellungen oder Legitimationsbedürfnisse sind. Das östliche Mitteleuropa ist in besonderer Weise geeignet, das Neben-, Mit- und Gegeneinander verschiedener Erinnerungsgemeinschaften in den Blick zu nehmen. Die hier vorgelegten Fallstudien zur böhmischen Ländergruppe stellen verschiedene Typen konkurrierender Geschichtsentwürfe vor, die sich religiös-konfessionell, räumlich-regional oder sprachlich-ethnisch motivierten Interessen verdankten. Dabei wird deutlich: Die erinnerungskulturellen Rivalitäten, die bereits in nachhussitischer Zeit einsetzten, prägten den Prozess der neuzeitlichen Staats- und Nationsbildung nachhaltig.

Show Summary Details
Restricted access

Vergangenheitsarbeit in politischer Absicht. Der Prager Rechtshistoriker Jan Kapras (1880–1947) und seine Forschungen zu Schlesien vor und nach dem Ersten Weltkrieg

Extract

Vergangenheitsarbeit in politischer Absicht.

Der Prager Rechtshistoriker Jan Kapras (1880–1947) und seine Forschungen zu Schlesien vor und nach dem Ersten Weltkrieg

I.

In einem kleinen Rückblick, der 1927 anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens der Matice opavská, des tschechischen Kulturvereins in Troppau, erschien, fasste der Prager Rechtshistoriker Jan Kapras die Eindrücke seiner ersten Besuche im schlesischen Teil der böhmischen Länder in den Jahren 1905 bis 1907 zusammen.1 Die nationalen Spannungen zwischen Deutschen, Tschechen und Polen, die sich dort mit der Industrialisierung und der damit verbundenen sozialen Dynamik spürbar verschärft hatten und um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert immer mehr das politische Leben bestimmten, schilderte er dabei ebenso lebendig wie den Wettbewerb zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen, der das gesamte Kultur-, Vereins- und Gesellschaftsleben durchzog. Aus wissenschaftsgeschichtlicher Sicht sind nicht nur seine Ausführungen zu den mitunter schwierigen Arbeitsbedingungen in den Troppauer Archiven, Museen und Bibliotheken von Bedeutung, sondern auch seine Erinnerungen an die erste Generation der tschechischen Schlesienforschung, die in Troppau ihr Zentrum besaß: an Josef Zukal und Vincenc Prasek, deren solide Detailstudien und Quelleneditionen über das böhmisch-mährische Schlesien hinaus Aufmerksamkeit erlangt hatten,2 an Josef Lukeš, Antonín Otahal, Václav Sladký und andere.

Ein enges Freundschaftsverhältnis entwickelte der junge Privatdozent, der damals gerade seine Habilitation abgeschlossen und an der Tschechischen Universität in Prag Fuß gefasst hatte, namentlich zu dem vierzig Jahre älteren Historiker Josef Zukal, den...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.