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Die kranke Republik

Körper- und Krankheitsmetaphern in politischen Diskursen der Weimarer Republik

Knut Langewand

Wie eine Demokratie krank gemacht wird, indem sie als siech, Geschwür oder Virus bezeichnet wird, kann man am Beispiel der Weimarer Republik ablesen.

Dieses Buch nähert sich der Verbindung von Krankheit und Krise aus der Perspektive demokratischer Spitzenpolitiker Weimars, die zermürbt von republikfeindlichen Anfeindungen krankheitsbedingt ihr Amt aufgaben.

Metaphern wie die des „kranken Volkskörpers" fanden Verbreitung in zeitgenössischen Debatten über Politik – bei Journalisten und Wirtschaftswissenschaftlern ebenso wie in Medizin, Psychologie oder Biologie. Dem Eindruck einer andauernden Krise der Demokratie wurde so Vorschub geleistet.

Es zeigt sich, dass Krankheitsmetaphern wegen ihres gegen Moderne und Aufklärung gerichteten Bedeutungskerns und ihres Beitrags zu einer Verengung realer Handlungsoptionen für ein Gemeinwesen problematisch, ja gefährlich sind.

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2. Hinführung

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2.  Hinführung

Diese Arbeit knüpft, sowohl meinem anfänglichen Erkenntnisinteresse als auch ihrer Entstehung an einem Institut in der Tradition der „cultural studies“ geschuldet, an viele gedankliche Fäden an, die aus dem Kernbereich der Geschichtswissenschaft hinausweisen. Dennoch ist sie keine interdisziplinäre, sondern genuin historisch angelegte, wenngleich jedoch ausdrücklich kulturgeschichtlich ausgerichtete Studie. Als solche erlaubt sie sich, „auf durchaus pragmatische und eklektizistische Weise von theoretischen Konzepten Gebrauch [zu] machen und von ihren Anregungen zu profitieren.“26 Das bedeutet freilich, geeignete theoretische Anknüpfungspunkte aufzufinden und sie anschlussfähig zu machen. Dies soll im Folgenden geschehen.

Eine notwendige, im Vorfeld der quellenbasierten Analysen zweckmäßige Vergewisserung über theoretische und methodologische Grundannahmen, Begriffe und bewusste Weglassungen muss wie bei der Vermessung eines kugelförmigen Körpers einen fast arbiträren Anfangspunkt bei der Umgrenzung dieser methodischen Grundlagen wählen. Eine unvermeidlich reihende Aufeinanderfolge einzelner Aspekte erfordert, dass die Kugel zerlegt und der innere Zusammenhalt ihrer Elemente auseinandergeschnitten wird. Doch anders ist ihrem komplexen Gehalt wohl nicht beizukommen. Im vorliegenden Fall heißt dies, dass in ihrem Mittelpunkt zwar zweifellos die Metaphern stehen, diese jedoch wiederum in den Kontext politischer Sprache eingebunden sind. Der hier behandelte Unterfall der Krankheitsmetaphern verweist zudem über den rein linguistischen Bereich hinaus auf andere Diskurse und den verwandten, teilweise komplementären Begriff der Krise. Die folgenden Ausführungen wechseln daher nicht nur wiederholt vom Allgemeinen ins Besondere und zurück, sondern auch zwischen verschiedenen Disziplinen und...

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