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Konzeption und Komposition von Gottscheds «Deutscher Schaubühne»

«Eine kleine Sammlung guter Stücke» als praktische Poetik

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Marina Doetsch

Erstmals wird aus einer zeitgenössischen Perspektive und unter Hinzuziehung der Peri- und Paratexte Gottscheds «Deutsche Schaubühne» als Projekt ernstgenommen. Die bisher vorherrschende Forschungsperspektive, es handle sich nur um eine Beispielsammlung zur Illustration der dramenpoetologischen Kapitel der «Critischen Dichtkunst», traut der «Schaubühne» kein Konzept zu. Dagegen beleuchtet die Autorin dieses Bandes, dass Gottsched durch die scheinbar fehlerhafte Veröffentlichungsreihenfolge der sechs Bände und durch spielerischen Umgang mit den Regeln die Dichotomie zwischen Poetik und dramatischer Praxis aufbricht und eine praktische Poetik der dramatischen Gattungen entwickelt. In detaillierten Textanalysen zeigt sie, warum es an der Zeit ist für eine Neubewertung der «Deutschen Schaubühne».

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8 Ausblick: Scheitert die Schaubühne?

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Es hat sich gezeigt, dass das Konzept in den sechs Teilen, die zwischen 1741 und 1745 erschienen, funktioniert hat. Die zeitgenössischen Tragödien- und Komödienautoren haben insgesamt achtunddreißig Trauer-, Lust-, Schäfer-, Nach- und Vorspiele verfasst. Es kann beanstandet werden, dass von diesen achtunddreißig Beiträgen achtzehn von den Gottscheds stammen bzw. dass nur zweiundzwanzig als Originale bezeichnet werden können, für die neun verschiedene Autoren verantwortlich waren1, aber es geht nicht um die Quantität der Verfasser, sondern um die Qualität der Exempla. Selbstverständlich ist auch diese bezweifelt worden2, aber sie soll in Bezug auf das Konzept hinterfragt werden. Die Absicht der Schaubühne bestand darin, eine praktische Poetik der dramatischen Gattungen zu sein und zu zeigen, dass nicht alle dramenpoetologischen Regeln der Critischen Dichtkunst umgesetzt werden sollen und können.3 Dies wurde mit den ausgewählten Beiträgen innerhalb dieser Arbeit bewiesen. Gleichzeitig haben diese zum Teil metareflexiv das Konzept der Schaubühne widergespiegelt bzw. es kompositorisch durch ihre Anordnung unterstützt. Die Zielsetzung der Schaubühne wurde in den ersten vier Jahren ihres Bestehens gelungen umgesetzt. Gottsched hat seine Absicht erfüllt und als ein Aischylos des 18. Jahrhunderts den Anfang der Dramenreform eingeleitet.4 Mitchell hat dies verdeutlicht: wie negativ auch die Schaubühne zeitgenössisch und in der Forschung beurteilt wird, so darf doch die historische Bedeutung nicht vergessen werden, da Gottsched eine große Anzahl von Trauer- und Lustspielen als Texte zugänglich gemacht und damit...

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