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Die Kunst des Dialogs

Gedenkschrift für Michael Fischer

Stephan Kirste, Hanna Maria Kreuzbauer, Ingeborg Schrems, Michaela Strasser and Silvia Traunwieser

Das Buch ist dem am 1. Juni 2014 verstorbenen Salzburger Rechts- und Sozialphilosophen Michael Fischer gewidmet. Die Beiträge würdigen die Person und Bedeutung Michael Fischers und bilden seine wichtigsten Interessensgebiete schwerpunktartig ab. Die Autorinnen und Autoren behandeln dabei ein breites Themenspektrum, das sich von Mozart-Opern über Humanität und Moral bis zu wirtschaftlichen, politischen und rechtsphilosophischen Fragen spannt.

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Don Juan zwischen Madrid und Prag (Gerhard Katschnig)

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Gerhard Katschnig

Don Juan zwischen Madrid und Prag1

Mit dem Namen Don Juan2 und seinen unzähligen Konnotationen ist eine „vielseitig deutbare und auch gedeutete Gestalt“3 maßgebend für die europäische Dichtung geworden. Sein Leben ist Legende und Krimi zugleich. Seine verführerische Wirkung hat sich nicht nur auf die Frauenwelt der Theaterbühnen bezogen, sondern auch zahllose Interpreten ergriffen. Durch die Jahrhunderte wurden die Motive seines Denkens und Handelns in verschiedenen Variationen erörtert. Kaum eine andere literarische Figur hat eine derartige Fülle an Interpretationen hervorgebracht.

Platt formuliert ist Don Juan eine geniale Erfindung des katholischen Klerus im Spanien des 17. Jahrhunderts. Während wir beinahe zeitgleich im protestantischen Norden mit dem Gelehrten, der die Geheimnisse der Himmelskörper hinterfragt, den anderen großen europäischen Mythos der Neuzeit entstehen sehen, repräsentiert Tirso de Molinas „El Burlador de Sevilla y combidado de piedra“ gegenüber Faust den erotischen Abenteurer inmitten der Brennweite von Inquisition und Gegenreformation. Der letzte große Freigeist einer feudalen Epoche entstammt der Fantasie des spanischen Mercedarier-Mönchs mit bürgerlichem Namen Gabriel Téllez. Molina skizzierte die Geschichte des Spötters der Moral und des Verführers aller Frauen, der mit seinem libertinen Verhalten und mit den zahllosen erotischen Animositäten die Gesellschaft brüskiert, Frevel und Sünde wider den (christlichen) Geist betreibt. Sein Don Juan repräsentiert den wenig geisthaften aber dafür zügellosen Triebtäter, „dessen Lebensweise...

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