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Imitat, Zitat, Plagiat und Original in Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit

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Andreas Beck and Nora Ramtke

Dieser Sammelband lotet die facettenreiche Praxis des Imitats, Zitats, Plagiats sowie der Herstellung von ‚Originalen‘ in Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit aus. Die versammelten Fallstudien behandeln nicht nur Gegenstände germanistischer Literaturwissenschaft, sie bewegen sich auch auf dem Gebiet anderer Philologien sowie im Bereich von Malerei, Architektur und Druckgraphik. Ihr gemeinsames Anliegen ist, die Epoche der Frühen Neuzeit von ihr eigentümlichen Organisationsformen des künstlerischen Materials her in den Blick zu nehmen. So leistet der Band einen Beitrag zu einer Literatur- und Kulturgeschichte als einer Geschichte künstlerischer Verfahren. Auf einer beiliegenden CD ergänzt eine elektronische Edition der rekonstruierten Originalfassung des ‚Trophaeum Mariano-Cellense‘ den Band.

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Blutige Verschreibung: Der Fall Christoph Haitzmann, Sigmund Freud und die Signatur des Wunders (Peter Risthaus)

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Peter Risthaus

Blutige Verschreibung:Der Fall Christoph Haitzmann, Sigmund Freudund die Signatur des Wunders

Faust: Lass doch die Dummheiten. Kein abgezapftes Blut. Das ist doch nur eine therapeutische Formalität. Es ist vorbei mit den Papieren und Unterschriften. Das geschriebene Wort ist heute noch rascher verflogen als das gesprochene, das auf dem Licht dahinfliegt. Da schert sich keiner mehr drum.

(Paul Valéry: Mon Faust)

Der Teufel steckt, um eine berühmte Redensart von Aby Warburg abzuwandeln, im Detail.1 Er ist ‚Legion‘, hat selbst viele Namen und beschert die Doppeldeutigkeiten der Welt, treibt sich in Pudeln genauso herum, wie in Unterschriften. Diabolus, das ist der ‚Durcheinanderwerfer‘, übersetzbar genauso mit ‚Verwirrer‘, ‚Hinderer‘, oder ganz neudeutsch durch ‚Faktenverdreher‘. Letztere Übersetzung passt vielleicht am besten zu jenem Fall, der hier ein wenig entfaltet werden soll. Es handelt sich um die wahrlich diabolische Mirakelgeschichte,2 in der Christoph Haitzmann, Maler von Beruf, vom Teufel in allerhand Gestalten, zuletzt als Drache, heimgesucht, durch Mönche zweimal exorziert wird, um in der Folge Jesus Christus und weiteren sonderbaren Gestalten zu begegnen. Haitzmann reist in Trance zwischen Himmel und Hölle hin und her, wird am Ende selbst Mönch und erhält entsprechend der monastischen Regel einen neuen Namen.3←227 | 228→

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