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Geschichtsphilosophische Implikationen im historischen Roman des frühen 20. Jahrhunderts

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Ulrike Häfner

Diversen historischen Romanen des frühen 20. Jahrhunderts sind unterschiedliche Geschichtskonzepte inhärent, die sich mit den geschichtsphilosophischen Ideen seit der Spätaufklärung konstruktiv auseinandersetzen und diese produktiv weiterentwickeln. Die Autorin zeigt auf, wie die Texte gleichzeitig einen Rahmen für die politische oder soziale Ideologie oder den Kunstbegriff des jeweiligen Autors bilden. Sie geht so den neuen Schreibformen im Genre des historischen Romans nach, die durch die Orientierung an der Geschichtsphilosophie statt an der Geschichtswissenschaft entstanden sind. Auf Grundlage eines eigens entwickelten Kategorienmodells, das geschichtsphilosophische Konzepte von der Spätaufklärung bis zum Untersuchungszeitraum ordnet, umfasst die Untersuchung Texte von A. Döblin, L. Feuchtwanger, H. Mann, E. Mitterer, W. von Molo, A. Kuckhoff und I. Seidel.

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4. Schluss

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4.  Schluss

In der Einleitung der vorliegenden Arbeit habe ich die These aufgestellt, dass der historische Roman des frühen 20. Jahrhunderts sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er sich mit dem Konstrukt Geschichte statt mit historischen Ereignissen oder Personen beschäftigt. Um diese philosophische Auseinandersetzung mit historischem Geschehen in den Beispieltexten nachzuweisen, habe ich ein theoretisches Modell der fünf wichtigsten geschichtsphilosophischen Kategorien aufgestellt und ihre jeweiligen Entwicklungen von der Spätaufklärung bis zum Analysezeitraum herausgearbeitet. Dabei handelt es sich um das Geschichte hervorbringende MOVENS I, das Geschichte antreibende MOVENS II, das Geschichte gestaltende AGENS, das Geschichte ordnende TEMPUS und den normativen CHARAKTER von Geschichte. Die Analysen der ausgewählten Romane im dritten Kapitel dieser Arbeit haben ganz unterschiedliche Formen der philosophischen Auseinandersetzung mit Geschichte aufgezeigt. In der folgenden abschließenden Zusammenfassung werde ich die Texte nicht nur entsprechend dieser philosophischen Auseinandersetzung ordnen, sondern dabei auch auf mögliche Wirkungsintentionen der Autoren eingehen.

Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger und Ina Seidel beschäftigen sich in den hier zugrunde gelegten Textbeispielen mit bestimmten geschichtsphilosophischen Kategorien und entwickeln hieraus im Roman eigene Geschichtskonzepte. ALFRED DÖBLINS Geschichtsmodell vereint wichtige Aspekte seiner eigenen Naturphilosophie mit den spätaufklärerischen Vorstellungen einer die Geschichte hervorbringenden Macht, die außerhalb der menschlichen Sphäre verortet wird. Insbesondere geht er dabei auf Herders Epochenmodell452 ein: Er zeichnet im Wallenstein den Übergang von einem ausgehenden historischen Zeitalter zu einem neuen, in dem andere Akteure als bisher die...

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