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Großstadtglaube

Katholische Präsenz in Berlin

Thomas Brose

Großstadt = Gottlosigkeit? Sind die spätmodernen Metropolen mit ihren Lebensrhythmen überhaupt dafür geeignet, Spiritualität und Glaube eine Chance zu geben? Braucht Religion den Exodus aufs Land?

Tatsächlich sind Religion und Urbanität, das Sakrale und das Säkulare, historisch auf das engste miteinander verknüpft. Am Beispiel Berlins zeigt die Publikation, was sich daraus für die Entwicklung einer zeitgenössischen (katholischen) Theologie ableiten lässt, wenn diese bereit ist, auf die Sprache der Großstadt zu hören und in ein fruchtbares Gespräch mit Philosophie und Literaturwissenschaft einzutreten («Berliner Ansatz»).

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2. Metropole Berlin: Ein religiöser Erinnerungsort

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2. Metropole Berlin: Ein religiöser Erinnerungsort

Es war zu keiner Zeit einfach, von Gott zu sprechen. Aber in Berlin scheint es besonders schwer zu sein. Am Brandenburger Tor etwa kamen sich zwei waffenstarrende Weltsysteme bis auf Ruf- und Hörweite nahe. Was hätte die Welt erwartet, wenn kurz nach dem Mauerbau am regnerischen Abend des 27. Oktober 1961 wirklich Schüsse gefallen wären? Nach sechs Tagen, in denen die Stimmung an der innerstädtischen Grenze – in Wahrheit ein möglicher Kampfplatz feindlicher Militärblöcke – immer nervöser wurde, standen sich am Checkpoint Charlie plötzlich zehn sowjetische und amerikanische Panzer gegenüber. Atemlos blickte die Welt in diesem Augenblick auf Berlin.

„Wieder in Berlin. Wieder geteilter Himmel und so weiter. Zwei Busse halten vor dem Wahrzeichen der Stadt, in gehörigem Abstand, zwei Führer sprechen dieselbe Sprache und doch nicht dieselbe, zitieren Baedeker oder VEB Brockhaus (kursiv – T.B.). Zweimal dreißig Teilnehmer der Stadtrundfahrt staunen hinüber, hinauf, fragen, hantieren mit der Kamera. Klick – klick: der Auslöser. Simultanaktionen. Aber die Erinnerungsfotos zeigen zwei verschiedene Ansichten: auch der rosselenkenden Friedensgöttin [auf dem Brandenburger Tor], die so lange schon – wie lange noch? – vergeblich urbi et orbi ihren Segen erteilt.“, hält Hans Joachim Bonhage 1970 seine Erfahrungen im alten Zentrum der Stadt fest.10←21 | 22→

Ohne die zerschnittene Metropole im Brennpunkt der Geschichte hätten sich Politiker in Washington, Moskau, im West- und Ostteil der Welt, jedenfalls viel Aufregung...

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