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Fremdsprachliche Diskursbewusstheit als Zielkonstrukt des Fremdsprachenunterrichts

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Interkulturellen Kompetenz

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Jochen Plikat

Interkulturelle Kompetenz spielt für das Lernen fremder Sprachen aktuell eine Schlüsselrolle. Der Autor untersucht die Leitfragen, wofür eine solche Kompetenz steht und welches Verständnis von Kultur ihr zu Grunde liegt. Er arbeitet die Problemlage auf, in welchem Maße das Gebot, alle Kulturen zu tolerieren, wünschenswert und umsetzbar ist, und diskutiert zentrale Beiträge zum Thema kritisch. Der Autor schlägt vor, den Fremdsprachenunterricht in Zukunft auf das neue Zielkonstrukt Fremdsprachliche Diskursbewusstheit auszurichten. Für den Umgang mit Konflikten lehnt er relativistische Beliebigkeit ab. Vielmehr empfiehlt er eine konsequente Rückbesinnung auf jene Werte, welche die Grundlage des friedlichen Zusammenlebens in pluralen Gesellschaften bilden: Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

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Vorbemerkungen und Einleitung

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Man muß sich das vorstellen: Ein Gläubiger kniet nieder und beginnt ein Gebet. Ein Intellektueller stellt sich neben ihn und sagt: „Wie interessant! Weißt du, daß andere Völker an ganz andere Götter glauben?“ Wie kann der Gläubige, der an seinen Gott glaubt, darauf reagieren? Natürlich lehnt er die Zumutung des Vergleichs ab, hält den Intellektuellen für einen Neunmalklugen und die anderen Völker für ungläubig. Aber in Wahrheit ist er bereits erschüttert. In Wahrheit hat ihn bereits eine Unruhe erfaßt. Wie kann er glauben, wenn andere anders glauben? Was kann er wissen, wenn andere anderes wissen? Wer ist sein Gott, wenn andere ihn nicht kennen? Wie weit reicht die Macht seines Gottes, wenn andere ungestraft ihren Götzen huldigen dürfen? (Baecker 2001: 48)

Interkulturelle Kompetenz, interkulturelles Lernen, interkulturelle fremdsprachige Handlungsfähigkeit – ohne Zweifel nimmt der Interkulturalitätsgedanke in der aktuellen Fremdsprachendidaktik einen zentralen Platz ein. Seit das Prinzip der Interkulturalität in den 1990er-Jahren zu seiner aktuellen Bedeutung aufgestiegen ist, geht es nach anfänglich noch grundlegenden Diskussionen (vgl. Hu 1999) inzwischen weniger um die Frage, ob interkulturelle Kompetenz ein Ziel fremdsprachlichen Lernens sein sollte, sondern vielmehr darum, wie sie angebahnt und möglicherweise auch gestuft und evaluiert werden kann. Innerhalb weniger Jahre wurde es zu einer Selbstverständlichkeit, dass Lehrkräfte fremder Sprachen in Deutschland neben sprachlichen Kompetenzen auch interkulturelle Kompetenzen in den Fokus ihrer unterrichtlichen Arbeit stellen sollen. Sie haben seither...

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