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Business-Fiktionen und Management-Inszenierungen

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Edited By Yvette Sánchez

Seit der Finanz-und Wirtschaftskrise von 2008 ist ein Anstieg literarischer und literaturkritischer Auseinandersetzungen mit der Figur des Managers und den Mechanismen der Geschäftswelt zu vermerken. Gleichzeitig setzen Unternehmen vermehrt auf das Distinktionsmerkmal der Kreativität. Dazu gehören die Methoden des Storytelling sowie der kunstbasierten Interventionen zur Personalentwicklung oder die Zusammenarbeit mit professionellen Theaterleuten an Aktionärsversammlungen.

Die in diesem Band vereinten vierzehn Beiträge aus verschiedenen Disziplinen testen die Grenzen zwischen den Künsten und der Wirtschaft. Es wird unter anderem die These aufgestellt, dass die Fiktionalitätsanteile in Romanen oder Theaterstücken niedriger ausfallen als in deklariert lebensweltlichen Inszenierungen von Managern.

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Literatur als Entdeckungsverfahren. Eine wettbewerbstheoretische Erweiterung des „Komplikationsmodells“ und eine exemplarische Anwendung auf Michael Endes „Momo“ (Katrin Seele / Peter Seele)

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Katrin Seele (Pädagogische Hochschule Bern) / Peter Seele (USI Lugano)

Literatur als Entdeckungsverfahren

Eine wettbewerbstheoretische Erweiterung des „Komplikationsmodells“ und eine exemplarische Anwendung auf Michael Endes „Momo“

Einleitung

Die Fertigkeit, literarische Texte als solche zu lesen, zu verstehen und mit eigenen Vorstellungen zu füllen, ergibt sich nicht per se durch die Lesefertigkeit, sondern muss erst erlernt werden (vgl. Waldmann 2006: 32 f.). Daher nimmt im schulischen Literaturunterricht (meist innerhalb des Erstsprachen-, manchmal aber auch innerhalb des Fremdsprachenunterrichts) die systematische Erzähltextanalyse eine wichtige Rolle ein: „Kinder und Jugendliche sollen durch Unterricht dazu befähigt werden, intersubjektiv nachvollziehbare und systematisch zusammenhängende Erkenntnisse eines Gegenstandes zu entwickeln und von anderen einzufordern“ (Leubner und Saupe 2012: 1). Es handelt sich hierbei um ein allgemein wissenschaftsmethodisches Desiderat, das keineswegs nur an Schülerinnen und Schüler gerichtet ist, sondern auch für die Bezugsdisziplin Literaturwissenschaft gilt: „Da jeder literaturwissenschaftlichen Arbeit eine Vielzahl theoretischer Vorannahmen und methodischer Entscheidungen zugrunde liegt“, ist es empfehlenswert, „sich diese Voraussetzungen […] bewusst und die verwendeten Verfahren explizit zu machen“ (Nünning und Nünning 2010: 2). Die „Option, Texte ohne Theorien und Methoden zu analysieren oder zu interpretieren“ gibt es dagegen Ansgar und Vera Nünning zufolge nicht, da jede Lektüre und Interpretation eines literarischen Textes zumindest – vielleicht sogar unbewusst – „Alltagstheorien“ auf den Text anwendet (ebd.).

Oftmals werden an literarische Texte zum Zwecke der Analyse, Interpretation und Einordung Theorien, Modelle und Methoden1 aus anderen←111 | 112→ Disziplinen...

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