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Business-Fiktionen und Management-Inszenierungen

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Edited By Yvette Sánchez

Seit der Finanz-und Wirtschaftskrise von 2008 ist ein Anstieg literarischer und literaturkritischer Auseinandersetzungen mit der Figur des Managers und den Mechanismen der Geschäftswelt zu vermerken. Gleichzeitig setzen Unternehmen vermehrt auf das Distinktionsmerkmal der Kreativität. Dazu gehören die Methoden des Storytelling sowie der kunstbasierten Interventionen zur Personalentwicklung oder die Zusammenarbeit mit professionellen Theaterleuten an Aktionärsversammlungen.

Die in diesem Band vereinten vierzehn Beiträge aus verschiedenen Disziplinen testen die Grenzen zwischen den Künsten und der Wirtschaft. Es wird unter anderem die These aufgestellt, dass die Fiktionalitätsanteile in Romanen oder Theaterstücken niedriger ausfallen als in deklariert lebensweltlichen Inszenierungen von Managern.

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„The root of all good“: Ayn Rand, Lieblingsschriftstellerin der Managementwelt (Claudia Franziska Brühwiler)

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Claudia Franziska Brühwiler (Universität St. Gallen)

„The root of all good“: Ayn Rand, Lieblingsschriftstellerin der Managementwelt

Die Bestsellerlisten in der Kategorie Business und Management gleichen sich Jahr für Jahr. Eine Mischung aus Neoklassikern wie The Black Swan (2007) von Nassim Nicholas Taleb und Karrierebiografien, die Einsicht in Erfolgsformeln versprechen, buhlen um die Gunst einer Leserschaft, die sich sonst auf digitale Quellen verlässt und, so das Klischee, mehr auf Zahlen denn Worte setzt. Ein Blick auf die Bücherregale von Managern im angelsächsischen Raum, insbesondere auf der anderen Seite des Atlantiks, bricht die Sachmonotonie und verrät, dass auch fiktionale Welten unternehmerische Fantasien und Interessen anregen können. Vom ehemaligen CEO der amerikanischen Grossbank BB&T, George Allison, über den Gründer von Wikipedia, Jimmy Wales, über PayPal-Mitinitiator Peter Thiel bis zu John Mackey, dem Geschäftsführer der grössten U.S. Biosupermarktkette, sie alle nennen auf ihrer persönlichen Bestenliste einen Roman aus den 1950er-Jahren: Atlas Shrugged (1957).1 Woher die Faszination für ein Werk von so eigenartigem Titel und, mit über tausend Seiten, von noch sperrigerem Format?

Weder Milieu noch Autorin des Romans scheinen viel mit der Geschäftswelt der genannten Bewunderer gemein zu haben: Ayn Rand (1905–1982), geboren als Alisa Rosenbaum und bis zu ihrem 21. Lebensjahr St. Peters←217 | 218→ burgerin, träumte zu Beginn ihrer Karriere weniger von der Wall Street und Verwaltungsratssitzungen denn von einer Hollywoodkarriere als Drehbuchautorin. Früh empfand...

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