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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 -Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 7

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Kulturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Kulinaristik: Kultur – Kommunikation – Küche». Darauf folgt die Sektion «Begegnungen zwischen den deutschsprachigen Ländern und Asien», bevor die Sektion «Kulturdifferente Lehr- und Lernstile, nationalspezifische Wissenstraditionen und interdisziplinäre Methoden – wohin führt der Weg einer Germanistik als Fremdkulturwissenschaft?» dokumentiert wird. Die Sektion «Interkulturalität (in) der Wissenschaft» beschließt den Band.

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Ver/Speisen. Die bedeutsame Weisheit von Essen und Trinken (Jochen Hörisch)

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Jochen Hörisch (Mannheim, Deutschland)

Ver/Speisen.Die bedeutsame Weisheit von Essen und Trinken

In Fontanes wunderbarem Roman Schach von Wuthenow besuchen zwei Regimentskameraden namens Sander und Alvensleben eine gute Gaststätte, bestellen beim Kellner Fritz eine schmackhafte Bowle und nehmen dieses geistige Getränk zum Anlass eines philosophischen und kulturhistorischen Crash-Kurses,1 verweist dieser doch auf den Aspekt, der denn auch ausdrücklich als eigentlich „wichtiger Punkt“ markiert wird: die Unterscheidung von „gemeiner Lebensnotdurft“ und „symbolischer Handlung“. Die knappe Passage hat es in sich. Denn sie umkreist in all ihrer Profanität eine Reihe von Problemen, die philosophischer, kulturanalytischer und kulinaristischer Betrachtung und Beachtung wert sind.

Essen ist ein „soziales Totalphänomen“ im Sinne von Marcel Mauss2 – also (wie u. a. auch der Potlatch, der Gabentausch oder der Krieg) ein Phänomen, in dem sich ökonomische, emotionale, juristische, erotische, ästhetische, mythische und religiöse Aspekte ineinander verschränken und verdichten. Essen ist, was aufgrund seiner allzu alltäglichen Selbstverständlichkeit häufig übersehen wird, darüber hinaus aber auch ein fundamentalsemiologisches Phänomen. Setzt es doch immer erneut eine Antwort auf die Frage in Szene, warum überhaupt Bedeutsamkeit ist und nicht vielmehr nicht – weil die Emergenz von Bedeutsamkeit an die Tilgung, an den Verzehr von Seiendem gebunden ist.

Wer isst und trinkt, folgt, wenn er denn weiterleben möchte, profanen Imperativen der „gemeinen Lebensnotdurft“, wer isst und trinkt, ist jedoch zugleich unweigerlich in „symbolische Handlungen“ verstrickt, die „mehr bedeuten als das Mahl selbst...

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