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Die niederdeutsche Sprachgeschichte und das Deutsch von heute

Dieter Stellmacher

Sprachen haben in der Regel ein langes Leben, die niederdeutsche ist 1000 Jahre alt. Der Autor untersucht die vielfältigen, von den Zeitgenossen kaum wahrgenommenen Veränderungen, denen die Sprache in dieser Zeit unterworfen war. Über Systemvergleiche, Textstudien und soziolinguistische Erhebungen ist die Sprachgeschichtsschreibung in der Lage, grundlegende Veränderungen zu erfassen – in Umbauten des Sprachsystems und in der Sprachverwendung. Sie lassen sich als gesetzmäßige Veränderungen verstehen und an der Geschichte des Niederdeutschen gut nachvollziehbar darstellen. Ein Vergleich mit dem Hochdeutschen zeigt, wie sich entgegengesetzte Entwicklungen heute darstellen und wie die Sprachkulturarbeit damit umgehen sollte.

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3. Sprache und Geschichte: das Beispiel Niederdeutsch

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Taalgeschiedenis is maar voor een klein deel taalkunde en voor een heel groot gedeelte geschiedenis (Klaas Heeroma 1969)

Von 1976 bis 2005 habe ich an der Georg-­August-­Universität Göttingen das akademische Fach „Niederdeutsche Sprach- und Literaturwissenschaft – Niederdeutsche Philologie“ vertreten. Das war eine germanistische Disziplin, die im Magisterstudium als Haupt- und Nebenfach belegt werden konnte, im Lehramtsstudiengang „Deutsch“ galt das niederdeutsche Angebot als wahlweise obligatorisch und war prüfungsrelevant (siehe Stellmacher (Hrsg.) 2005). Bei den Einführungsveranstaltungen in diesen Wissenschaftsbereich konnte immer wieder beobachtet werden, wie erstaunt die Teilnehmer waren, dass die niederdeutsche Sprache, vulgo Platt oder Plattdeutsch, auf eine 1000-jährige Geschichte zurückblicken kann, auch dass sie einmal die Funktion einer nordosteuropäischen Verkehrssprache wahrnahm. Willy Sanders hat das in seinem Buch zu den „sprachgeschichtlichen Grundzügen des Niederdeutschen“ mit den Bezeichnungen Sachsensprache, Hansesprache, Plattdeutsch einprägsam benannt (Sanders 1982). Die damit bezeichneten Sprachen trennen nicht nur große Zeiträume, sondern auch Statusunterschiede, d. h. ob der Sprachgebrauch gesetzten Normen gefolgt ist oder nicht und auch, in welcher Realisationsform sprachlich kommuniziert wird.

Die Periode der Sachsensprache, auch Altsächsisch oder Altniederdeutsch genannt, ist die Zeit vom 9. bis zum 12. Jahrhundert und bedeutet „die allmähliche ,Ein←27 | 28→ deutschung‘ der naturwüchsigen […] Sachsensprache seit fränkisch-­karolingischen Tagen“ (Sanders 1982, S. 13).

Karte 1: Das Altniederdeutsche

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