Show Less
Restricted access

Der Weltreisende Colin Roß vor deutschem und österreichischem Publikum

Massenkulturelle Vermarktung von Kriegserfahrung und Abenteuer (1912–1938)

Katalin Teller

Das Buch analysiert die Kriegs- und Reiseberichte des Reisejournalisten und -filmemachers Colin Roß (1885–1945). Roß galt in der Weimarer Republik als einer der populärsten Vertreter der geopolitisch interessierten Reiseberichterstattung. Als höchst relevant erweist sich dabei der Umgang von Roß und seinem Publikum mit dem reiseliterarisch geprägten Topos des Abenteuers sowie der Gattung des Kriegsberichts. Durch die jeweilige Adaptierung seiner Kriegserfahrung und des Abenteuer-Elements konnte Roß seine Werke für ideologisch und kulturell unterschiedlich orientierte Publika aufbereiten. Die Autorin vergleicht die deutschen und österreichischen Produktions- und Rezeptionsbedingungen und gibt Aufschluss darüber, wie sich diese Kultfigur einen festen Platz in der Öffentlichkeit sichern konnte.

Show Summary Details
Restricted access

Betrieb auf Hochtouren: Die erwachende Sphinx und Mit Kamera, Kind und Kegel durch Afrika, 1927–1928

Extract



Das wäre mir total schnurz, wenn ich nicht sähe, wer da so alles reist. Eine echte Null wie Colin Ross reisen zu lassen, das ist nur auf Grund der verwandtschaftlichen Beziehungen möglich. Das Zeug ist nicht zu lesen – so langweilig ist es. Nun, da kann man nichts machen.82

Welches „Zeug“ genau Tucholsky zum Gähnen veranlasste, wurde nicht überliefert, fest steht jedoch, dass die afrikanische Rundreise der Familie Roß in der verwandtschaftlich tatsächlich verbundenen Vossischen Zeitung und in der Berliner Illustrirten Zeitung, ebenfalls einem Ullstein-Massenprodukt, seit April 1926 intensiv verfolgt wurde. Nicht nur die beiden Presseorgane und die beiden Reisebücher, sondern auch die beiden Stummfilme aus der Reise signalisieren Roß’ durchdachte Marketingstrategie, die auf das Bedienen von mindestens zwei Interessenskreisen abzielte (und die Kurt Tucholsky offensichtlich nicht beeindruckte): nämlich auf jenes der erwachsenen LeserInnen der liberalen Tagespresse und jenes der an Sohn Ralph Interessierten, wie dies aus einer 1931 in den Protokollen der Brockhaus-Verlagsleitung festgehaltenen←43 | 44→ Aussprache mit Roß und seiner Ehefrau Lisa (Luisa) hervorgeht.83

Das Ehepaar bezeichnet diese Foren als „von einander beinahe unabhängige“,84 was nicht nur auf die Durchlässigkeit der Publikumsgrenzen, sondern auch jene der bevorzugten Adressierungsformate hinweist. Zu dieser Zeit machte sich Roß als Familienreisender bereits einen Namen85 und muss wohl erkannt haben, dass das exklusive Image des politisch-wirtschaftlichen (und militärischen) Sachverständigen bzw. des Diskretionsreisenden weder für die Finanzierung aufwändiger Familienreisen noch für seine Ambitionen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.